Rund ein Drittel der Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis entwickeln den
gefürchteten Etagenwechsel zum Asthma bronchiale. Umgekehrt ist der Zusammenhang noch
gravierender: "Zwei Drittel der Asthmatiker leiden auch unter Beschwerden einer allergischen
Rhinitis", betonte Prof. Dr. Claus Bachert, Gent, bei einer Pressekonferenz in Köln.
Die allergische Rhinitis ist nach seinen Worten keineswegs eine Bagatellerkrankung.
Sie müsse vor allem in der Komorbidität zum Asthma ernst genommen werden, weil sie
das Asthma noch deutlich verschlechtern kann.
Leukotrienantagonisten: Hohe antiinflammatorische Potenz
Leukotrienantagonisten: Hohe antiinflammatorische Potenz
Beide Störungen, Asthma wie auch allergische Rhinitis, haben nach seinen Worten einen
gemeinsamen Hintergrund und das ist die Entzündung der Schleimhaut. Diese zu bekämpfen,
muss deshalb das oberste Ziel sein, wobei durchaus Wirkstoffe zum Einsatz kommen,
die beide Erkrankungen günstig beeinflussen. Das ist zum Beispiel beim Montelukast
der Fall, wie Prof. Dr. Wolfgang Petro, Bad Reichenhall, berichtete. Die hohe antiinflammatorische
Potenz des Leukotrienantagonisten wurde laut Petro eindrucksvoll in der COMPACT-Studie
(Clinical Observation of Montelukast as a Partner Agent for Complementary Therapy)
belegt. In der Studie wurden 898 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma
mit 1,6 mg Budesonid oder aber mit 0,8 mg Budesonid plus 10 mg Montelukast[1] behandelt. Beide Regime bewirkten eine nachhaltige Besserung der Lungenfunktion
und das in beiden Gruppen gleich stark. Allerdings trat die Besserung unter der Kombinationsbehandlung
rascher ein als unter der hochdosierten Budesonid-Therapie.
Dass ganz besonders Patienten mit einer Komorbidität des Asthmas und der allergischen
Rhinitis von Montelukast profitieren, belegt eine Subgruppenanalyse der COMPACT-Studie,
in die nur Studienteilnehmer mit beiden Erkrankungen eingeschlossen wurden. Bei ihnen
zeigte sich bei der Behandlung mit Montelukast plus Budesonid eine signifikant stärkere
Verbesserung der morgendlichen Peak-Flow-Werte als bei der hochdosierten Budesonid-Monotherapie.
Gemeinsames Behandlungskonzept für beide Krankheitsbilder
Gemeinsames Behandlungskonzept für beide Krankheitsbilder
Die Daten sind nach Prof. Dr. Johann Christian Virchow, Rostock, wenig verwunderlich.
Denn die Leukotriene sind die wesentlichen Entzündungsmediatoren beim Asthma wie auch
bei der allergischen Rhinitis. So steigt bei Patienten mit Heuschnupfen die Leukotrienkonzentration
in der Nase nach Allergenprovokation an, und eine Provokation mit Leukotrienen erhöht
den nasalen Atemwegswiderstand sowie die Nasensekretion. Es macht nach Virchow deshalb
Sinn, beide Krankheitsbilder, Asthma wie auch allergische Rhinitis, mit einem gemeinsamen
Behandlungskonzept zu therapieren, so wie dies auch in den ARIA-Empfehlungen (Allergic
Rhinitis and its Impact on Asthma) vorgesehen ist.
Quelle: Pressekonferenz "Asthma und allergische Rhinitis: Aktuelle Daten - Therapeutische
Konsequenzen", Februar 2005 in Köln. Veranstalter: MSD Sharp & Dohme.