Generalisierte Angsterkrankungen (GAD) sind chronische Erkrankungen die nach den
Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen. Die Erkennung und
die Diagnose bedarf besonderer Kenntnisse, da es sich um eine sogenannte Angsterkrankung
ohne Angst handelt. Leitsymptom sind ständige Sorgen, d.h. antizipatorische katastrophisierende
Kognitionen [1]. Aufgrund der Häufigkeit der Erkrankung und des hohen Ausmaßes an Komorbidität hat
die Generalisierte Angststörung in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse in
Forschung und Praxis erfahren. So können GAD-Patienten von neuen medikamentösen Optionen
und maßgeschneiderten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren profitieren.
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hat sich als eine wirksame Behandlungsmethode
der GAD etabliert. Dr. Thomas Bär, Rostock, stellte das am Beispiel der Berliner KVT-GAD-Studie
[2] vor, in der in Kooperation mit niedergelassenen Verhaltenstherapeuten ein manualgeleitetes,
kognitiv-verhaltenstherapeutisches Vorgehen bei der ambulanten Behandlung von Patienten
mit GAD evaluiert wurde. Unter der KVT zeigte sich ein durchschnittlicher Rückgang
der Symptomatik im Prä-Post-Vergleich um 39,6% in der HAM-A (Hamilton Angstskala)
und um 15,1% im STAI-State (State-Trait Anxiety Inventory). Dagegen erreichte die
Kontaktkontrollgruppe Vergleichswerte von 5,3% in der HAM-A bzw. 3,2% im STAI-State.
Eine Pharmakotherapie behindert nicht den Erfolg einer Psychotherapie
In einer Metaanalyse aller bisherigen Studien zu Pharmakotherapie im Vergleich zur
Verhaltenstherapie und deren Kombination, die Prof. Borwin Bandelow, Göttingen, vorstellte,
konnte eine vergleichbare Effektstärke (Cohens d) für die Behandlungsstrategien gezeigt
werden, wobei eine Kombinationstherapie in den meisten Fällen am wirksamsten war (Abb.
[1]).
Abb. 1 Metaanalyse aller Studien: Verhaltenstherapie (VT) vs. Pharmakotherapie (PT)
bei generalisierten Angststörungen (Cohens d)
Einen Überblick über die bei GAD verwendeten Psychopharmaka lieferte Prof. Hans-Peter
Volz, Werneck. Im Wesentlichen werden drei Substanzklassen eingesetzt: Antidepressiva,
Anxiolytika und seit 2006 als einziges Antikonvulsivum Pregabalin. Eine Monotherapie
ist grundsätzlich vorzuziehen, Kombinationen sind nur in therapieresistenten bzw.
schweren Fällen anzuraten. Generell ist bei der Pharmakotherapie mit Pregabalin (Lyrica®)
zu beachten, dass die Wirkung langsamer als bei der antidepressiven Therapie einsetzt,
d.h. nach etwa vier bis fünf Wochen ab Therapiebeginn.
Da GAD-Patienten sehr sensibel auf Nebenwirkungen reagieren und die Medikamente häufig
nicht einnehmen, ist das Interaktionspotenzial und das Nebenwirkungsspektrum des eingesetzten
Psychopharmakons wichtig für eine optimale Compliance. Hier bestehen bei gleicher
Wirksamkeit deutliche Unterschiede (Tab. [2]). Pregabalin bietet den Vorteil, dass es nahezu vollständig und unverändert renal
eliminiert wird. Die Substanz ist ebenso effektiv wie hohe Dosen von Benzodiazepinen
und der Wirkeintritt ist annähernd gleich schnell [1]. Die anxiolytische Wirkung, sowohl bei den somatischen als auch bei den psychischen
Angstsymptomen ist gleich gut ausgeprägt und mit jenen der anderen Anxiolytika vergleichbar.
Pregabalin weist zudem einen günstigen Effekt auf Schlafstörungen auf. Die dosisabhängigen
Hauptnebenwirkungen Benommenheit und Schläfrigkeit sind passager und geringer ausgeprägt
als unter den Benzodiazepinen. Absetzphänomene treten nicht oder deutlich seltener
auf, sexuelle Dysfunktionen und kognitive Störungen bleiben ganz aus.
Tab. 1 Wirksamkeit und Verträglichkeit der bei GAD eingesetzten Psychopharmaka
Fazit
Verhaltenstherapeutische und pharmakologische Strategien haben sich bei der GAD bewährt.
Die bisherige Akzeptanz für behaviorale und kognitiv-behaviorale Therapien im Vergleich
zur Pharmakotherapie ist jedoch höher. Der Einsatz des Antikonvulsivums Pregabalin
könnte sich Dank seines Verträglichkeitsprofils günstig auf die Compliance auswirken.
Dr. Daniel Bomar, Linkenheim-Hochstetten
Quelle: Symposium "Wege zur optimalen Therapie der GAD" am 21. November 2007 anlässlich
des DGPPN in Berlin, veranstaltet von der Pfizer Pharma GmbH