Phlebologie 2018; 47(06): 338-343
DOI: 10.12687/phleb2451-6-2018
Übersichtsarbeiten
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kontrazeption und venöse Thromboembolie

Article in several languages: deutsch | English
H. Rott
1   Gerinnungszentrum Rhein-Ruhr, Duisburg/ Coagulation Center Rhein-Ruhr
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Korrespondenzadresse

Dr. med. Hannelore Rott
Gerinnungszentrum Rhein-Ruhr
Königstr. 13
47051 Duisburg

Publication History

Eingegangen: 04 August 2018

Angenommen: 06 September 2018

Publication Date:
25 January 2019 (online)

 

Zusammenfassung

Etwa 20 Millionen Frauen befinden sich aktuell im reproduktiven Alter. Ein Drittel von ihnen wendet kombinierte hormonelle Kontrazeptiva an (KHK), welche meist aus Ethinylestradiol und einem synthetischen Gestagen bestehen. Das Grundrisiko für venöse Thromboembolien (VTE) für Frauen im reproduktiven Alter ist gering, steigt aber deutlich an durch Anwendung von KHK oder auch in der Schwangerschaft/Wochenbett. Dies gilt auch für nichtorale KHK. Hierdurch haben junge Frauen ein merklich höheres VTE Risiko als Männer bis zum Alter von 35 Jahren, danach gleicht sich das VTE-Risiko zwischen den Geschlechtern an. Die Erhöhung des VTE Risikos hängt vom verwendeten KHK ab. Ältere KHK mit Norgestimat oder Levonorgestrel als Gestagen haben ein niedrigeres VTE-Risiko als neuere KHK. In vielen internationalen Leitlinien gelten daher mittlerweile die älteren KHK als erste Wahl. Neuere KHK sollten daher nur noch verordnet werden, wenn besondere Gründe hierfür vorliegen. Das VTE-Risiko von KHK mit Estradiol bzw. Estradiolvalerat statt EE ist noch unklar durch fehlende Datenlage. Die Anwendung von rein gestagenhaltiger Kontrazeption erhöht das VTE-Risiko nicht signifikant mit Ausnahme von Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA). Die Notfallkontrazeption („Pille danach”), welche keine Östrogene enthalten, sondern nur Levonorgestrel bzw. Ulipristalacetat erhöhen das VTERisiko nicht. Orale reine Gestagenkontrazeptiva (mit Desogestrel oder Levonorgestrel), Intrauterine Kontrazeption und Etonogestrel Implantate sind die Verhütungsmittel der Wahl bei Frauen mit erhöhtem VTE-Risiko. Ein Thrombophilie-Screening ist nicht bei jeder Frau indiziert mit Kontrazeptionswunsch. Diese Testung sollte limitiert werden z.B. auf Frauen mit positiver VTE Eigenanamnese oder auf Frauen mit VTE-Fällen in jungen Jahren unter 50 in der nächsten Verwandtschaft.


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Interessenkonflikt

Nach Angaben der Autoren bestehen keine Interessenkonflikte.


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Dr. med. Hannelore Rott
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Königstr. 13
47051 Duisburg