Zeitschrift für Palliativmedizin 2024; 25(02): 68-69
DOI: 10.1055/a-2257-8993
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Bericht über das OPG Online-Webinar „Töte sich, wer kann?“

ASCIRS – Erfahrungen nach zwei Jahren Suizidassistenz in Österreich“ am 16. Januar 2024
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Über die Plattform ASCIRS der Österreichischen Palliativgesellschaft können Berichte über Erfahrungen mit dem assistierten Suizid (AS) eingereicht werden. Diese Berichte sind äußerst wertvoll, denn aus ihnen können wir lernen, wie Patient:innen und ihre Angehörigen in dieser schwierigen Situation noch besser unterstützt werden können. Das Interesse der 233 Teilnehmenden am diesjährigen ASCIRS-Webinar unter dem Motto Lessons learned war groß. Das Ziel der Veranstaltung war, über die in den Berichten aufgegriffenen Themen und Schwierigkeiten zu informieren sowie Klarheit in manchen Fragestellungen bzw. handlungsleitende Empfehlungen zu bringen. Bei allen behandelten Themen handelt es sich um Auszüge und Schwerpunkte, welche einer weiteren Vertiefung bedürfen.

Daten: Bei den Daten handelt es sich nur um die auf ASCIRS berichteten Ereignisse, es handelt sich daher nicht um eine Vollerhebung. Es gab 112 Anfragen um Suizidbeihilfe, 5 abgebrochene und 68 durchgeführte AS. Die betreffenden Patient:innen, im Alter zwischen 30 und 97 Jahren, litten meist an Tumorerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen, einzelne an Lungenerkrankungen oder psychiatrischen Erkrankungen, ein Patient hatte eine fortgeschrittene Demenz. Es waren 105 Frauen, 78 Männer, 1 diverse Person und 1 Bericht war ohne Angabe des Geschlechts. Stand 16.1.2024

Motive für einen AS: Überwiegend das erlebte Leid (existenzielle Krise) und unzureichend gelinderte körperliche Symptome, aber auch Angst vor künftigem Leid, psychische bzw. psychiatrische Probleme und die fehlende Palliativbetreuung.

Suizidmittel: In 35 Fällen wurde das Natrium-Pentobarbital oral verabreicht, 15-mal intravenös und bei 18 Berichten wurde die Art der Applikation nicht erwähnt.

Sterbeorte: 56 der AS erfolgten im häuslichen Bereich, 6 im Pflegeheim, 3 in einem Hospiz, 1 im Krankenhaus und 2-mal wurde der Ort nicht angegeben.

Anwesende: In 14 Fällen waren Ärzt:innen beim AS präsent, 5-mal eine Pflegeperson, 1-mal die betreuende Psychologin, 5 Patient:innen waren beim AS alleine. Angehörige berichten von Überforderung von ihrer Angst, es könnten Komplikationen auftreten und davon, wie sehr sie sich allein gelassen gefühlt haben.

Komplikationen und Probleme:

  • Erbrechen des Präparates

  • Bewusstseinsverlust, bevor die gesamte Menge getrunken werden konnte

  • Lange Zeitspanne bis zum Eintritt des Todes

  • Akinetische Krise durch Metoclopramid (bei vorliegender Parkinson-Erkrankung)

  • Überforderung/Panik hilfeleistender Personen

Zeitlicher Druck: Durch die begrenzte Haltbarkeit der Trinklösung kann sich ein zeitlicher Druck zur Umsetzung des AS ergeben, daher wäre eine Verordnung in der wesentlich länger haltbaren Pulverform sinnvoll.



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Article published online:
01 March 2024

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