Zusammenfassung
Die Auswertung der Prospective Urban Rural Epidemioloy (PURE)-Studie von Dehghan et al. sowie verschiedene, in diesem Zusammenhang veröffentlichte
Schlagzeilen suggerierten, dass die Ergebnisse der Studie die gängigen Ernährungsempfehlungen
widerlegen und die Empfehlungen dahingehend geändert werden müssten, die Kohlenhydratzufuhr
zu senken und die Fettzufuhr zu erhöhen. Durch methodische Schwächen, wie der Einschluss
von Probanden mit nichtadäquater Energiezufuhr, den Vergleich mit Referenzgruppen
mit unzureichender Nährstoffzufuhr, die Nichtbeachtung der Kohlenhydratqualität, der
Ballaststoffzufuhr sowie der Substitution einfacher Kohlenhydrate durch Fett bzw.
gesättigte Fettsäuren und die fehlende Stratifizierung der Daten nach Einkommen und
Region ist die Aussagekraft der Ergebnisse stark eingeschränkt. Zudem ist die Schlussfolgerung
falsch, dass die Erkenntnisse aus der PURE-Studie aktuelle Ernährungsempfehlungen
der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) infrage stellen. Mit einer Ernährung,
die entsprechend den Richtwerten der DGE einen moderaten Fettanteil von 30 – 35 En%
und einem Kohlenhydratanteil von über 50 En% aufweist, ist in der PURE-Studie kein
erhöhtes Risiko für Mortalität und Morbidität zu erkennen. Wichtiger als eine Diskussion
über Nährstoffrelationen ist aus Sicht der DGE eine generell zu hohe Energiezufuhr
und eine unzureichende Qualität der Ernährung, d. h. der zu geringe Verzehr von ballaststoffreichen
Lebensmitteln und der zu hohe Verzehr von zugesetztem Zucker und raffinierter Stärke.
Abstract
The assessment of the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE)-study of Dehghan
et al. and several in this context published headlines suggested that global dietary
guidelines should be reconsidered towards a decreased carbohydrate intake and increased
fat intake. Due to methodological weaknesses like inclusion of participants with inadequate
energy intake, use of reference groups with inadequate intake of nutrients, non-observance
of carbohydrate quality, intake of dietary fibre, and substitution of mono- and disaccharides
by dietary fat or saturated fatty acids, as well as missing stratification by income
and region, the explanatory power of the results is very limited. The conclusion,
that the recommendations of the German Nutrition Society (DGE) may be challenged by
the results of the PURE-study is limited. In the PURE-study, a nutrition according
to the guiding values of the DGE with a moderate percentage of fat (30 – 35 % of energy)
and more than 50 % of energy from carbohydrates indicated no increased risk of morbidity
and mortality. According to the DGE, overconsumption of energy in general and insufficient
quality of the diet, e. g. inadequate consumption of foods high in dietary fibre and
overconsumption of added sugars and refined starch, is more essential than the relation
of macronutrients.
Schlüsselwörter PURE-Studie - Kohlenhydrate - Fett - Nährstoffrelation - Qualität der Ernährung
Keywords PURE-Study - carbohydrates - fat - macronutrient composition - nutrition quality