Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0829-6580
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Versorgungsstrukturen und Mengen-Ergebnis-Beziehung beim akuten Herzinfarkt – Verlaufsbetrachtung der deutschlandweiten Krankenhausabrechnungsdaten von 2005 bis 2015

Health Care Provision and Volume-Outcome Relationship for Acute Myocardial Infarction: Long-Term Analysis of German Nationwide Hospital Discharge Data 2005–2015
Claire Bolczek
1  Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin
2  Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, LVR-Klinikum Düsseldorf, Düsseldorf
,
Ulrike Nimptsch
1  Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin
3  Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin
,
Martin Möckel
4  Notfall- und Akutmedizin, Campus Virchow-Klinikum und Mitte, Charité Universitätsmedizin, Berlin
,
Thomas Mansky
1  Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin
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Publication Date:
01 March 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Studien haben beschrieben, dass höhere Herzinfarktfallzahlen des behandelnden Krankenhauses mit besseren Behandlungsergebnissen assoziiert sind. Vor diesem Hintergrund wird die Entwicklung der akutstationären Herzinfarktversorgung sowie der Mengen-Ergebnisbeziehung im Zeitverlauf analysiert. Ziel der Arbeit ist, die Entwicklungen zu bewerten und Anhaltspunkte für eine Verbesserung der Herzinfarktversorgung in Deutschland abzuleiten.

Methode Anhand der deutschlandweiten Krankenhausabrechnungsdaten (DRG-Statistik) von 2005 bis 2015 wurden Patienten mit akutem Herzinfarkt im erstbehandelnden Krankenhaus identifiziert und anhand der jährlichen Herzinfarktfallzahl des behandelnden Krankenhauses in fallzahlgleiche Quintile eingeteilt.

Ergebnisse Im Beobachtungszeitraum zeigte sich ein zunehmender Anteil interventionell versorgter Herzinfarktpatienten. Die Krankenhaussterblichkeit im erstbehandelnden Krankenhaus ging insgesamt von 12,1 auf 8,7% zurück. In allen Jahren wurde in den höheren Fallzahlquintilen eine geringere Sterblichkeit im Vergleich zum unteren Fallzahlquintil beobachtet. Im Jahr 2015 zeigte sich im Vergleich zur Behandlung in Krankenhäusern mit sehr geringer Fallzahl ein um 20% reduziertes Sterberisiko (adjustiertes OR jeweils 0,8 [95% KI 0,7–0,9]) in Krankenhäusern mit mittlerer, hoher oder sehr hoher Fallzahl. Mehr als 40% der Krankenhäuser mit sehr geringer Fallzahl waren in städtischen Regionen lokalisiert.

Schlussfolgerung Eine gezieltere Steuerung von Patienten mit Herzinfarktsymptomen in Krankenhäuser mit hohen Herzinfarktfallzahlen könnte die Versorgung weiter verbessern. Eine solche Versorgungssteuerung ist sowohl aus Gründen der medizinischen Qualität als auch der Wirtschaftlichkeit insbesondere in städtischen Regionen erforderlich.

Abstract

Background Studies on acute myocardial infarction have reported that higher hospital volume is associated with better outcomes. In this context, changes of acute hospital care for myocardial infarction and of the volume-outcome relationship were analysed. The aim of this study was to assess developments of hospital care in order to derive approaches for improving care for acute myocardial infarction in German hospitals.

Methods Inpatient cases of acute myocardial infarction in the first admitting hospital were identified from the complete national hospital discharge data (DRG statistics) 2005–2015. These cases were assigned to quintiles according to the annual myocardial infarction case volume of the treating hospital.

Results From 2005 to 2015, there was an increase in the proportion of patients with myocardial infarction treated with a coronary intervention. In-hospital mortality in first treating hospitals declined from 12.1 to 8.7%. In all the years of observation, mortality was lower in higher volume hospitals quintiles than in the very-low volume quintile. In 2015, the risk of in-hospital death in hospitals with medium, high, or very high volume was 20% lower (adjusted OR 0.8 [95% KI 0.7–0.9] respectively), compared to very-low volume hospitals. More than 40% of very-low volume hospitals were located in urban areas.

Conclusion Hospital care for acute myocardial infarction in Germany can be improved further, if patients with heart attack symptoms were primarily allocated to hospitals with high volumes. For reasons of medical quality and economic efficiency, such a targeted referral is essential particularly in urban regions.

Ergänzendes Material