Gesundheitswesen 2020; 82(03): 253-259
DOI: 10.1055/a-0839-4810
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wissen und Einstellungen über die saisonale Influenza-Impfung von Hebammenschülerinnen in Nordrhein-Westfalen: Ergebnisse einer Querschnittsstudie

Health Expertise of Seasonal Influenza Vaccination among Midwife Trainees in North Rhine-Westphalia: Results of a Cross-Sectional Study
Johannes Westhofen
1  Institut für Hausarztmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
,
Marie-Therese Puth
1  Institut für Hausarztmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
2  Institut für Medizinische Biometrie, Informatik und Epidemiologie, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
,
Henrike Steudel
1  Institut für Hausarztmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
,
Eva Münster
1  Institut für Hausarztmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
,
Klaus Weckbecker
1  Institut für Hausarztmedizin, Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Bonn
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
20 February 2019 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung Erstmalig für Deutschland wurden Einstellungen und Wissensstand von Hebammenschülerinnen bezüglich Impfungen im Allgemeinen, sowie der Influenza-Impfung im Speziellen erfasst.

Methodik Im Rahmen einer Querschnittsstudie wurde zwischen Mai und Juli 2017 eine standardisierte schriftliche Befragung aller Hebammenschülerinnen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden sowohl durch Häufigkeitsanalysen, als auch mittels multipler, logistischer Regression ausgewertet.

Ergebnisse Alle 10 Hebammenschulen in Nordrhein-Westfalen nahmen an der Befragung teil und Fragebögen von 315 Hebammenschülerinnen (Teilnahmerate: 95,7%) konnten ausgewertet werden. Die Effektivität der Impfung gegen saisonale Influenza schätzten 77,8% der Befragten falsch ein, mögliche Nebenwirkungen wurden nur von 35,2% der Befragten korrekt eingeschätzt. Von der Sicherheit einer Impfung während der Schwangerschaft waren 56,2% der Befragten nicht überzeugt. Faktoren, die ein erhöhtes Risiko eines nicht ausreichenden Wissensstands bezüglich Influenza-Impfung bieten, sind ein Lebensalter zwischen 22 und 25 Jahren (adjustiertes Odds ratio (aOR) 1,99 95%-Konfidenzintervall (KI) 1,12–3,52) im Vergleich zu Jüngeren (18–21 Jahre), eine fehlerhafte Einschätzung des Übertragungsrisikos (aOR 3,68 95%-KI 1,85–7,29) sowie ein nicht ausreichendes Wissen über die Influenza-Erkrankung (aOR 1,78 95%-KI 1,04–3,06). Im Gegensatz hierzu zeigten 76,8% der Befragten eine positive Einstellung gegenüber Impfungen im Allgemeinen, 73,3% der Befragten beklagten eine zu geringe Information der Öffentlichkeit über Impfkomplikationen.

Schlussfolgerung Das unzureichende Wissen der Hebammenschülerinnen bezüglich der saisonalen Influenza-Impfung steht einer Erhöhung des Impfschutzes von Hebammen, Schwangeren und somit auch dem Schutz von Neugeborenen entgegen. Aufklärungskampagnen in den Ausbildungsgängen, sowie eine Analyse und Anpassung der Unterrichtsinhalte mit wissenschaftlich validierten Erkenntnissen, erscheinen notwendig. Ferner sollten die Ergebnisse Anlass vorrangig für Betriebsmediziner, Hausärzte und Gynäkologen sein, um Personal in der Hebammenausbildung bzw. -beruf intensiver bezüglich saisonaler Influenza-Impfung zu beraten.

Abstract

Objective For the first time, the level of knowledge and attitude towards vaccinations in general as well as seasonal influenza vaccination of midwife trainees in Germany was assessed.

Methods The cross-sectional study was conducted between May and July 2017. The written standardized questionnaire was completed by all midwife-trainees in North Rhine-Westphalia. The statistical analysis included frequency tables and multiple logistic regression models.

Results All of the 10 Schools for Midwifery in North Rhine-Westphalia participated in the survey and 315 questionnaires (response rate: 95.7%) were analyzed. The efficacy of seasonal influenza vaccinations was misjudged by 77.8% and possible adverse events were correctly estimated by only 35.2%. Regarding the safety of the seasonal influenza vaccination during pregnancy, 56.2% of midwife trainees were not convinced of it. Factors associated with a higher risk for insufficient knowledge regarding the influenza vaccination were age (22–25 years vs. 18–21 years, adjusted odds ratio (aOR) 1.99 95% confidence interval (CI) 1.12–3.52)), an inaccurate evaluation of the risk of infection (aOR 3.68 95%-CI 1.85–7.29) and insufficient knowledge of the influenza disease (aOR 1.78 95%-CI 1.04–3.06). By contrast, 76.8% of midwife trainees reported a positive attitude towards vaccinations in general, although 73.3% complained of getting too little information on complications due to vaccines.

Conclusion The lack of knowledge regarding seasonal influenza vaccination in midwife trainees impedes the expansion of vaccine protection of midwives, pregnant women and newborns. Information campaigns among midwife trainees as well as an evaluation and optimization of teaching units including scientifically validated information seem necessary. Moreover, these findings should encourage physicians to increasingly draw attention to the importance and efficacy of seasonal influenza vaccination among all medical professionals.