Klin Monbl Augenheilkd 2021; 238(01): 85-91
DOI: 10.1055/a-1264-7962
Klinische Studie

Interdisziplinäre Tumornachsorge bei okulären Melanomen: Erfahrungen in einem Zentrum in Deutschland

Article in several languages: English | deutsch
Joel M. Mor
1  Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Deutschland
,
Alexander C. Rokohl
1  Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Deutschland
,
Cornelia Mauch
2  Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Deutschland
,
Ludwig M. Heindl
1  Zentrum für Augenheilkunde, Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Deutschland
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Zusammenfassung

Hintergrund Im Gegensatz zum Hautmelanom existieren keine einheitlichen Leitlinien für die Nachsorge bei okulären Melanomen (Aderhaut- und Bindehautmelanome). Lediglich für das Bindehautmelanom gibt es eine konsentierte Standard Operating Procedure (SOP) im Netzwerk onkologischer Spitzenzentren Deutschlands. Die Nachsorge erfolgt i. d. R. in Zentren und dort dann multidisziplinär, teilweise in Anlehnung an die S3-Leitlinie des Hautmelanoms. Ziel dieses Beitrags ist es, die Umsetzung von Nachsorgeempfehlungen (Diagnostik, Intervalle) sowie die Nachsorgeadhärenz okulärer Melanompatienten zu prüfen.

Patienten und Methoden Deskriptive, retrospektive Analyse aller Patienten mit Bindehaut- und Aderhautmelanom, die in den Jahren 2008 bis 2019 an der Universitätsklinik Köln betreut wurden. Bestimmt wurde die Rate an erfolgreicher Anbindung an ein strukturiertes Nachsorgeprogramm sowie die Nachsorgeadhärenz, jeweils in Abhängigkeit von Patientenalter, Primärtherapie und Tumorentität.

Ergebnisse Es wurden 99 Patienten (56 weiblich, 43 männlich) eingeschlossen, darunter 83 Aderhaut- und 16 Bindehautmelanome. Das mittlere Follow-up waren 59 Monate. Eine Anbindung an die interdisziplinäre Nachsorge erfolgte in 81% der Fälle. 78% der Fälle wurden entsprechend den jeweiligen Empfehlungen versorgt. Zu einem Ausscheiden aus dem Nachsorgeprogramm kam es in 13% der Fälle, durchschnittlich nach 38 Monaten.

Schlussfolgerung Die Daten zeigen einen zunehmenden Anteil an standardisiert nachkontrollierten Patienten, jedoch noch keine flächendeckende Nachsorge. Es besteht der Bedarf nach Leitlinien, die den okulären Tumorentitäten gerecht werden, um Patienten ein individualisiertes Vorgehen anbieten zu können.



Publication History

Received: 26 March 2020

Accepted: 11 September 2020

Publication Date:
26 November 2020 (online)

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