Aktuelle Ernährungsmedizin 2021; 46(02): 73
DOI: 10.1055/a-1367-1222
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

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Prof. Dr. med. Christian Sina

erst kürzlich durfte ich anlässlich der Vorlesung Innere Medizin zum Thema Ernährungsmedizin unterrichten. In diesen lediglich 90 Minuten (!) wurden unsere zukünftigen Kolleginnen und Kollegen das erste und vermutlich letzte Mal im Rahmen ihres Studiums mit den Grundlagen der klinischen Ernährung konfrontiert.

Viele von uns werden wie ich ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken daran haben, dass eben diese Studierenden nicht nur ihre ärztliche Tätigkeit demnächst mit nur einem rudimentären ernährungsmedizinischen Fachwissen beginnen, sondern zukünftig auch u. a. im Rahmen ärztlicher Selbstverwaltung die Entscheidungen mit hoher Relevanz für unser Fachgebiet verantworten werden.

Dabei scheint trotz des geringen Lehrumfangs das Interesse der Studierenden an der Ernährungsmedizin nach meinen Erfahrungen ungebrochen hoch zu sein. Beispiel hierfür ist die in den letzten Jahren stetig steigende Nachfrage nach Promotionsarbeiten und Famulaturmöglichkeiten, insbesondere im Anschluss an unsere Vorlesungen.

Ich würde mir wünschen, dass wir das hohe Interesse der Studierenden auch als Chance für unser Fach begreifen und es zukünftig schaffen, die Ernährungsmedizin besser in der curriculären Lehre des Medizinstudiums zu verankern.

Auch wenn wir als Aktuelle Ernährungsmedizin das Problem der unzureichenden Einbindung unseres Faches in das Medizinstudium nicht lösen können, so tragen wir doch seit Jahren dazu bei, aktuelle Themen und strukturierte Fortbildungsinhalte in der Ernährungsmedizin unseren Leserinnen und Lesern zu vermitteln. So auch in dieser Ausgabe.

In dem sehr lesenswerten CME-Beitrag von Henrike Dobbermann, Rainer Günther und Jens Marquardt zum Thema „Ernährung bei chronischen Lebererkrankungen“ wird eine, für die Klinik sehr hilfreiche, aktuelle Übersicht über die Diagnostik und Therapie dieser zunehmend prävalenten Erkrankungsentität gegeben.

Im Rahmen einer Originalarbeit untersuchten Mehri Koshhali und Kollegen, welchen Einfluss eine ungesunde Lebensgewohnheit auf die Körperwahrnehmung von iranischen Kindern und Jugendlichen ausübt. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und dem damit häufig einhergehenden, bewegungsarmen Verhalten vieler Jugendlicher ein wichtiges Thema.

Anja Müller und Arved Weimann liefern in ihrem Beitrag zur Implementierung des neuen OPS-Codes zur Ernährungsmedizinischen Komplexbehandlung wichtige praxisrelevante Erkenntnisse, wie dieser Herausforderung zukünftig begegnet werden kann.

Ute Alexy und Kolleginnen runden diese Ausgabe mit ihrer spannenden Übersichtsarbeit zum Thema der Chronobiologie und Ernährung ab. Dem Fazit des Artikels folgend, dass bei der Konzeption der Ernährungstherapie individuelle Chronotypen vermutlich mehr als bisher zu berücksichtigen sind, möchte ich abschließend allen interessierten Leserinnen und Lesern noch das im Mai 2020 veröffentlichte und sehr lesenswerte Strategiepapier des NIH zur Zukunft und Erforschung von Präzisionsernährung nahelegen: https://dpcpsi.nih.gov/onr/strategic-plan.

Ich wünsche Ihnen nun viel Freude mit dieser Frühjahrsausgabe und denken Sie doch einmal daran, die Aktuelle Ernährungsmedizin auch Ihren Studierenden ans Herz zu legen!

Es grüßt herzlich
Ihr
Christian Sina



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Publication Date:
15 April 2021 (online)

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