Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1557-1130
Originalarbeit

Analyse der Zeitangaben in Krankenhausabrechnungsdaten bei ST-Streckenhebungs-Herzinfarkt und Linksherzkatheterintervention

ST-elevation Myocardial Infarction and Percutaneous Coronary Intervention: Analysis of Time Stamps in Hospital Administrative Data
Ulrike Nimptsch
1  Management im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin, Deutschland
,
Reinhard Busse
1  Management im Gesundheitswesen, TU Berlin, Berlin, Deutschland
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Zusammenfassung

Hintergrund und Ziel Krankenhausabrechnungsdaten enthalten neben demografischen, medizinischen und administrativen Informationen auch Zeitangaben zum Behandlungsverlauf, beispielsweise den Zeitpunkt der Aufnahme oder den Zeitpunkt der Durchführung einer Prozedur. Anhand dieser Datenfelder könnten wesentliche Prozessindikatoren berechnet werden, mit denen die Qualität der Versorgung beurteilt werden kann. Allerdings liegen zur Plausibilität der Zeitangaben in den Abrechnungsdaten bislang kaum Informationen vor. Ziel dieser Arbeit ist, die Zeitangaben in den Daten am Beispiel von ST-Streckenhebungs-Herzinfarkt und Linksherzkatheterintervention zu untersuchen, um damit einen ersten Anhaltspunkt für die Bewertung der Plausibilität zu erhalten.

Methode Anhand der deutschlandweiten Krankenhausabrechnungsdaten (DRG-Statistik) von 2014 bis 2017 wurden Behandlungsfälle mit akutem ST-Streckenhebungs-Herzinfarkt im erstbehandelnden Krankenhaus identifiziert. Gegenstand der explorativen Analyse waren der Zeitpunkt (Datum und Uhrzeit) der Aufnahme, sowie der Zeitpunkt (Datum und Uhrzeit) der Linksherzkatheterintervention. Aus der Differenz zwischen Aufnahmezeit und Interventionszeit wurde das Zeitintervall berechnet und in Kategorien eingeteilt.

Ergebnisse Die Analyse des Aufnahmezeitpunktes der Behandlungsfälle mit ST-Streckenhebungs-Herzinfarkt (N=254 719) nach Wochentag und Stunde zeigte ein Muster mit Häufigkeitsgipfeln an Werktagen zwischen 9:00 und 13:00 Uhr. Die Betrachtung der dokumentierten Zeiten der Linksherzkatheterintervention (N=206 079) zeigte eine ähnliche Verteilung, die jedoch an allen Wochentagen durch Häufigkeitsspitzen jeweils um 12:00 Uhr und um 0:00 Uhr charakterisiert war. Der Anteil der Behandlungsfälle mit unplausiblen Zeitintervallen sank von 9,5% im Jahr 2014 auf 7,8% im Jahr 2017 und zeigte eine hohe Variation auf der Krankenhausebene.

Schlussfolgerung Eine Nutzung der Datenfelder für Zeitangaben in Krankenhausabrechnungsdaten könnte wertvolle Informationen zur Bewertung der Behandlungsprozesse liefern und klinisch tätiges Personal von separaten Dokumentationsaufgaben entlasten. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen jedoch, dass implausible Angaben und verschiedene Unsicherheiten die Interpretierbarkeit stark einschränken. Um die Qualität der Dokumentation von Zeitangaben zu verbessern, müssten Anreize für eine korrekte Dokumentation geschaffen und konkrete Vorgaben (z. B. zur Definition des Aufnahmezeitpunktes) gemacht werden.

Abstract

Background German hospital administrative data contain demographic, medical, and administrative information on inpatients, as well as time stamps, such as time of admission or when a medical procedure was carried out. Time stamps allow the calculation of important process indicators which may help to assess quality of care. However, regarding the plausibility of time stamps in German hospital administrative data, no information is as yet available. This study investigates time stamps through the example of ST-elevation myocardial infarction and percutaneous coronary intervention aiming to provide first indications on the plausibility of time stamp documentation.

Methods Based on complete national German hospital administrative data (DRG statistics) from 2014 to 2017, all inpatient cases with ST-elevation myocardial infarction in the first admitting hospital were identified. Date and time of admission and date and time of percutaneous coronary intervention were analyzed. Time intervals were calculated as difference between time of admission and time of percutaneous coronary intervention and were categorized in groups.

Results The analysis of time of admission of inpatient cases with ST-elevation myocardial infarction (n=254,719) showed a pattern with highest frequencies between 9 a.m. and 1 p.m. on working days. The pattern of time of percutaneous coronary interventions (n=206,079) was similar but revealed frequency peaks at noon and midnight. The share of inpatient cases with implausible time intervals between time of admission and time of percutaneous coronary intervention declined from 9.5% in 2014 to 7.8% in 2017 and showed high variation on the hospital level.

Conclusion Analyzing time stamps in hospital administrative data may provide valuable information on treatment processes while clinical staff may be released from separate documentation tasks. However, the results of this study indicate that the reliability of time stamps is affected by implausible entries and several uncertainties. The quality of time stamp documentation in German hospital administrative data might be improved by setting incentives for correct documentation and by setting out definite specifications of time points, such as time of admission.



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Publication Date:
25 October 2021 (online)

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