Gesundheitswesen 2009; 71(12): 864-872
DOI: 10.1055/s-0029-1239516
Memorandum des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Erfassung von Lebensqualität[*] in der Versorgungsforschung – konzeptuelle, methodische und strukturelle Voraussetzungen[**]

Assessment of Quality of Life[*] in Health Services Research – Conceptual, Methodological and Structural Prerequisites[**] M. Koller1 , E. A. M. Neugebauer2 , M. Augustin3 , A. Büssing4 , E. Farin5 , M. Klinkhammer-Schalke6 , W. Lorenz6 , K. Münch1 , C. Petersen-Ewert7 , N. von Steinbüchel8 , B. Wieseler9
  • 1Zentrum für Klinische Studien, Universitätsklinikum, Regensburg
  • 2IFOM-Institut für Forschung in der Operativen Medizin der Privaten Universität Witten/Herdecke
  • 3FG Gesundheitsökonomie und Lebensqualitätsforschung, CeDeF und CVderm, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • 4Zentrum für Integrative Medizin der Privaten Universität Witten/Herdecke
  • 5Abt. Qualitätsmanagement und Sozialmedizin der Uniklinik Freiburg
  • 6Tumorzentrum Regensburg e. V., Universitätsklinikum Regensburg
  • 7Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • 8Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Göttingen
  • 9Institut für Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
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Publication History

Publication Date:
05 October 2009 (eFirst)

Zusammenfassung

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e. V. (DNVF e. V.) hat am 1. Juli 2009 getragen von den genannten im DNVF organisierten Fachgesellschaften und Organisationen, ein Memorandum III „Methoden für die Versorgungsforschung” Teil 1 verabschiedet, das in dieser Zeitschrift publiziert wurde [Gesundheitswesen 2009; 71: 505–510]. Die vorliegende Publikation stellt eine Vertiefung zu der Erfassung der Lebensqualität in der Versorgungsforschung dar. Lebensqualität (LQ) innerhalb der Gesundheitswissenschaften umfasst das subjektive Befinden und Handlungsvermögen im körperlichen, im psychischen und im sozialen Bereich. LQ gibt Auskunft darüber, welche Aspekte der Versorgung beim Patienten „angekommen” sind. LQ ist primär das, was Patienten empfinden, aber auch das, worüber Patienten sprechen und was in ganz erheblichem Maße die gesellschaftliche Akzeptanz von Versorgungsangeboten und -prozessen bestimmt. Daher ist LQ als ein zentraler Endpunkt innerhalb der Versorgungsforschung anzusehen. Der Wert des Konstrukts Lebensqualität wird in Deutschland in Texten zum Sozialrecht und zur Nutzenbewertung explizit herausgestrichen. Dies ist die erste Darstellung des Zusammenhanges zwischen Versorgungsforschung und dem Konzept und der Methodik der LQ-Erfassung. Von der Arbeitsgruppe wurden Schlüsselkriterien für die LQ-Erfassung innerhalb von Studien der Versorgungsforschung festgelegt: (1) Messinstrumente müssen die Standardgütekriterien (Reliabilität, Validität, Sensitivität, Interpretierbarkeit) erfüllen und die Auswahl für einen bestimmten LQ-Bogen muss begründet sein. (2) Das Studiendesign und die Studienpopulation müssen an die Fragestellung angepasst sein und die Fallzahl der Stichprobe biometrisch abgesichert sein. (3) Bei der Durchführung der Studie ist auf eine standardisierte Messsituation und die Einhaltung der vorgegebenen Messzeitpunkte zu achten. (4) Auswertungs- und Interpretationskriterien sollen prospektiv festgelegt werden. (5) Bei Studien mit diagnostisch/therapeutischem Charakter sind Standards für die Diagnose und die nachfolgende therapeutische Intervention zu spezifizieren.

Abstract

On July 1, 2009, the German Network for Health Services Research [Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V. (DNVF e. V.)] approved the Memorandum III “Methods for Health Services Research”, supported by the member societies mentioned as authors and published in this Journal [Gesundheitswesen 2009; 71: 505–510]. This is an in-depth publication on “quality-of-life assessment in health services research”. Within the context of the health sciences, quality of life (QL) encompasses the subjective well-being and functioning in the physical, psychological and social domains. QL informs about the aspects of health care that “actually get to the patient”. QL is what patients primarily experience, what they talk about and what to a large degree affects the acceptance of health-care services and processes in the society. Therefore, QL can be considered as a highly important endpoint within health services research. The importance of the construct quality of life is also emphasised in German treaties on social law and utility analyses. This paper is the first account on the relations between health services research and the concept and assessment of QL. Our working group has specified key criteria for QL assessment within studies on health services research. (1) Assessment instruments need to comply with standard quality criteria (reliability, validity, sensitivity, interpretability) and the decision for a particular instrument has to be reasonably justified. (2) Study design and study population have to match with the scientific research question and the sample size has to be biometrically sound. (3) QL assessment including time points over the course of the study has to follow a standardized protocol. (4) Criteria for analysis and interpretation have to be prospectively specified. (5) Studies focusing on diagnostic/therapeutic issues need to specify standards for diagnostic criteria and related therapeutic interventions.

1 Im vorliegenden Memorandum wird Lebensqualität stets in Bezug auf Gesundheit und/oder Krankheit betrachtet. Daher wird auf die Ausdrucksweisen gesundheitsbezogene Lebensqualität“ (health related quality of life, HRQL) oder krankheitsbezogene Lebensqualität“ verzichtet und im Sinne der Lesbarkeit einheitlich der Begriff Lebensqualität (Abkürzung LQ) verwendet.

2 Ein vertiefender Beitrag zum Memorandum III „Methoden für die Versorgungsforschung“, Teil 1[Gesundheitswesen 2009; 71: 505– 510]