Sportverletz Sportschaden 2011; 25(2): 87-92
DOI: 10.1055/s-0029-1245539
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Therapeutisches Klettern – kaum erforscht und dennoch zunehmend eingesetzt

Therapeutic Climbing – Barely Explored but Widely UsedC. Grzybowski1 , E. Eils1
  • 1Institut für Bewegungswissenschaft, WWU Münster
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Publication Date:
24 May 2011 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Klettertherapie wird im deutschsprachigen Raum erfolgreich als begleitende Maßnahme bei orthopädisch-traumatologischen, neurologischen, psychomotorischen und angeborenen bzw. chronischen Erkrankungen eingesetzt, stellt aber bislang keine anerkannte Therapieform dar. Ziel der Arbeit ist es, einen umfassenden Überblick der vorhandenen Literatur zum therapeutischen Klettern zu geben. Weiterhin soll der Beitrag Interessierte bei der Beurteilung der Maßnahme unterstützen und Forschungsansätze herausarbeiten. Material und Methoden: Die Recherche deutsch- und englischsprachiger Literatur erfolgte in den wichtigsten wissenschaftlichen Datenbanken im medizinischen Bereich (Evidence Based Medicine Reviews, PubMed u. a.). Eingeschlossen wurden alle Artikel, die sich mit Klettern im therapeutischen Sinn befassen. Ergebnisse: Die Recherche ergab, dass bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen zum Therapieeffekt vorliegen. Einige Nachweise zur positiven Wirkung von Kletterbewegungen finden sich lediglich im orthopädischen Bereich. Alle anderen Erfolge sind in Form von Erfahrungsberichten und Einzelbeobachtungen publiziert, wissenschaftlich betrachtet erlauben sie aber keine zuverlässigen Aussagen. Schlussfolgerung: Der aktuelle Forschungsstand begründet den Einsatz der Maßnahme und den sich entwickelnden Markt nur unzureichend, soll aber nicht grundsätzlich als Ablehnung der Therapie verstanden werden. Der Weg zu einer allgemein anerkannten Therapie kann nur über systematische Untersuchungen führen, aus denen konkrete Therapiehinweise abgeleitet werden können. Neben Studien zur allgemeinen Wirkung von Kletterbewegungen sind Nachweise hinsichtlich der Wertigkeit gegenüber anderen Methoden unbedingt erforderlich. Weitere Forschungsansätze werden aufgezeigt.

Abstract

Background: Therapeutic climbing had been used successfully as an intervention in orthopedic-traumatologic, neurologic, psychomotoric and congenital or chronic diseases. The aim of this abstract is to give an overview of the existing literature on this new form of therapy. This could also aid in assessing the methodology and work out future research directions. Material and Methods: National and international databases within the medical field (Evidence Based Medicine Reviews, PubMed …) have been searched for German and English articles that dealt with climbing in a therapeutic context. Results: Only a limited amount of scientific investigations regarding the effects of therapeutic climbing were found. Evidence for the effectiveness of this form of climbing was only found in the field of orthopedics. Other published results were field reports or individual case studies which did not make any reliable statements/conclusions. Conclusion: Based on the current review, therapeutic climbing cannot be wholly recommended as an interventional method. However, this should not be interpreted as a refusal to use therapeutic climbing as an intervention. The use of systematic analysis in studying the general effects of climbing movements as well as comparisons to classical interventional methods is necessary. Further approaches to this research study will be given.

Literatur

1 Eine Liste der Qualifizierungsarbeiten ist bei Interesse beim Autor zu erhalten.

Dipl. Sportwiss. Claudia Grzybowski

Institut für Sportwissenschaft, AB Bewegungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Horstmarer Landweg 62b

48149 Münster

Phone: ++ 49/2 51/8 33 48 48

Fax: ++ 49/2 51/8 33 48 72

Email: claudia.grzybowski@uni-muenster.de

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