Gesundheitswesen 2011; 73(7): 416-422
DOI: 10.1055/s-0030-1254176
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kodierungsprobleme in der deutschen Todesursachenstatistik am Beispiel ischämischer Herzkrankheiten

Coding Problems in German Mortality Statistics as Illustrated by Ischaemic Heart DiseaseF. Andersohn1 , F. Müller-Riemenschneider1 , S. N. Willich1
  • 1Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité-Universitätsmedizin Berlin
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Publication Date:
21 June 2010 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Die Todesursachenstatistik ist eine wichtige Datenquelle für medizinische und gesundheitspolitische Fragestellungen, birgt aber potenzielle Fehlerquellen, wie zum Beispiel die Todesursachenkodierung in den statistischen Landesämtern. Ziel dieser Studie war es, bundeslandspezifische Kodierungsprobleme am Beispiel der ischämischen Herzkrankheiten und des Herzinfarktes zu identifizieren.

Methodik: Nach Erhebung altersstandardisierter Mortalitätsraten (1998–2008) wurden Bundesländer mit Ausreißern in den prozentualen Veränderungen der Sterblichkeit an ischämischen Herzerkrankungen bzw. Herzinfarkt gegenüber dem jeweiligen Vorjahr, sowie in der proportionalen Mortalität des ICD-Kapitels R00-R99 (ungenaue definierte oder unklare Todesursachen) identifiziert. Als Ausreißer wurden Werte außerhalb des 3-fachen Interquartilsabstandes von den Interquartilsabstand-Grenzen des jeweiligen Jahres gewertet. Die praktische Bedeutung dieser Auffälligkeiten wurde in einer exemplarisch durchgeführten ökologischen Korrelationsanalyse zwischen der bundeslandspezifischen Armutsquote und der Sterblichkeit aufgrund von ischämischen Herzkrankheiten bzw. Herzinfarkt untersucht.

Ergebnisse: Im Studienzeitraum nahmen die altersstandardisierte Mortalitätsraten in den deutschen Bundesländern durchschnittlich um 38,1% (ischämische Herzkrankheiten) bzw. 38,7% (Herzinfarkt) ab. Auffälligkeiten im Zeitverlauf der Mortalitätsraten bzw. in der proportionalen Mortalität waren in Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Saarland vorhanden. In der exemplarischen Korrelationsanalyse zwischen Armutsquoten und Mortalitätsraten verbesserte sich der Korrelationskoeffizient nach Ausschluss dieser auffälligen Bundesländer deutlich.

Schlussfolgerung: Als wichtige potenzielle Fehlerquelle in der Todesursachenstatistik erscheint die ICD-10 Kodierung durch die statistischen Landesämter. Eine Vereinheitlichung der Todesursachenkodierung in Deutschland ist dringend erforderlich.

Abstract

Background: The German mortality statistics are an important data source in terms of research and health policy but might be influenced by different sources of error such as ICD-10 coding by regional authorities. The aim of this study was to identify state-specific coding problems using the example of ischaemic heart disease (IHD) and myocardial infarction (MI).

Methods: After obtaining age-standardised mortality rates (1998–2008), outlier analyses were used to identify German states with suspect changes in mortality from IHD or MI over time or suspect proportional mortality from an unspecific cause-of-death (ICD-10 R00-R99). Values outside the 3-fold interquartile range (IQR) from the IQR boundaries were considered as outliers. The impact of these discrepancies was studied by using an ecological correlation between state-specific poverty rates and mortality from IHD or MI as an example.

Results: During the study period, mortality rates dropped by 38.1% for IHD and by 38.7% for MI. Suspect mortality trends or proportional mortality rates were identified in Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein and Saarland. The association between state-specific poverty rates and mortality from IHD or MI increased after exclusion of the suspect states.

Conclusions: The ICD-10 coding by regional authorities seems to be an important source of error. A standardisation of coding procedures is urgently needed.

Literatur

Korrespondenzadresse

Dr. med. F. Andersohn

Institut für Sozialmedizin,

Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie

Charité-Universitätsmedizin

Berlin

10098 Berlin

Email: frank.andersohn@charite.de

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