Gesundheitswesen 2012; 74(11): 702-709
DOI: 10.1055/s-0031-1285863
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Bedeutung des kleinräumigen Kontexts für Gesundheit: Entwurf eines Erklärungsmodells

Impact of Small-Area Context on Health: Proposing a Conceptual Model
S. Voigtländer
1   Abteilung für Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld
,
A. Mielck
2   Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum München
,
O. Razum
1   Abteilung für Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld
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Publication History

Publication Date:
19 October 2011 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund:

Neuere empirische Arbeiten betonen, dass Merkmale des kleinräumigen Kontexts einen bedeutsamen und möglicherweise zunehmenden Einfluss auf individuelle Gesundheit besitzen. Bisher fehlt es jedoch an einem einheitlichen Erklärungsmodell, welches die verschiedenen Arten solcher Merkmale integriert und als ein Zusammenspiel mit individuellen Merkmalen sozialer Ungleichheit konzeptualisiert.

Methodik:

Review theoretischer Arbeiten zum Zusammenhang von Lebenslage und Gesundheit sowie der bisherigen Modellvorschläge zum gesundheitlichen Einfluss von Merkmalen des kleinräumigen Kontexts.

Ergebnisse:

Mit dem vorliegenden Artikel unterbreiten wir einen Vorschlag für ein Erklärungsmodell zur gesundheitlichen Bedeutung des kleinräumigen Kontexts. Dieses Modell konzeptualisiert den Wohnort von Individuen oder Familien als eine Dimension sozialer Ungleichheit, deren gesundheitliche Wirkung über die der Region und der Nachbarschaft innewohnenden Ressourcen und Belastungen vermittelt wird.

Schlussfolgerung:

Das beschriebene Erklärungsmodell bietet eine Orientierung für zukünftige empirische Untersuchungen und liefert eine Diskussionsgrundlage zur gesundheitlichen Relevanz des kleinräumigen Kontexts.

Abstract

Background:

Recent empirical studies stress the impact of features related to the small-area context on individual health. However, so far there exists no standard explanatory model that integrates the different kinds of such features and that conceptualises their relation to individual characteristics of social inequality.

Methods:

A review of theoretical publications on the relationship between social position and health as well as existing conceptual models for the impact of features related to the small-area context on health was undertaken.

Results:

In the present article we propose a conceptual model for the health impact of the small-area context. This model conceptualises the location of residence as one dimension of social inequality that affects health through the resources as well as stressors which are inherent in the small-area context.

Conclusion:

The proposed conceptual model offers an orientation for future empirical studies and can serve as a basis for further discussions concerning the health relevance of the small-area context.