Sprache Stimme Gehör 2011; 35(03): e89-e90
DOI: 10.1055/s-0031-1291985
Hören - Erkennen - Verstehen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Funktionelle Mutationsstimmstörungen

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Publikationsdatum:
30. September 2011 (online)

Logopädische Stimmtherapie zwischen Bresgen-/Gutzmann-Handgriff und psychologischer Beratung – ein funktionaler Ansatz zur Behandlung funktioneller Mutationsstimmstörungen.

Bei der Behandlung funktioneller Mutationsstimmstörungen empfiehlt die HNO-Fachliteratur häufig die Anwendung des Bresgen-/Gutzmann-Handgriffs durch einen HNO-Arzt oder Phoniater [ 1 ], [ 7 ], [ 8 ], [ 10 ]. Ggf. wird dies durch eine professionelle psychologische Beratung ergänzt [ 8 ], [ 10 ]. Im vorliegenden Artikel wird exemplarisch die Möglichkeit einer auf den Prinzipien des funktionalen Stimmtrainings beruhenden stimmtherapeutischen Herangehensweise an das Störungsbild dargestellt. Die laryngeale Doppelventilfunktion nach Pressman bildet die theoretische Basis [ 9 ].

Der laryngo-stroboskopische Befund bei Mutationsstimmstörungen stellt sich wie folgt dar: normal großer Kehlkopf, Stimmlippen normal oder gerötet und ödematös, Mutationsdreieck, verkürzte Amplituden, unregelmäßige Schwingungen und stark gespannte Stimmlippen [ 7 ]. Die starke Stimmlippenspannung resultiert aus einer Dysbalance im Zusammenspiel der Antagonisten M. cricothyroideus (ct.) als äußerem Kehlkopfmuskel und Stimmlippenspanner und M. vocalis (voc.) als internem Stimmlippenmuskel und Feinregulator der Tonhöhe. Der (im Vergleich zum ct.) hypotone voc. kann dem hypertonen ct. keine ausreichende Gegenspannung entgegensetzen [ 2 ], [ 5 ], [ 7 ]. Daraus folgernd kippt der ct. den Schildknorpel weit nach vorne, wodurch die Stimmlippen übermäßig gespannt werden.

Die stimmlichen Symptome sollen exemplarisch anhand der am häufigsten auftretenden funktionellen Mutationsstimmstörung [ 6 ], der Mutationsfistelstimme erläutert werden[ 1 ]. Sie zeigen sich in einer deutlich erhöhten mittleren Sprechstimmlage (MSSL), vereinzelt auftretenden tiefen Brummtönen, Heiserkeit, Pressen, Diplophonie, Räusperzwang und Parästhesien [ 7 ]. Die Stimme klingt dünn und piepsig. Sie ist deutlich eingeschränkt belastbar und vermittelt den Eindruck von Unreife, Weiblichkeit und Schwäche [ 6 ].