Gesundheitswesen 2014; 76(08/09): 486-493
DOI: 10.1055/s-0033-1361113
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fehlermeldungen aus Sicht stationär Pflegender: Ergebnisse einer Befragung in Pflegeheimen und Krankenhäusern

Error Reporting from a Nurse’s Point of View: Results of a Survey in Nursing Homes and Hospitals
H. Cramer
1   Zentrum für Pflegeforschung und Beratung, Hochschule Bremen, Institut für Pflegewissenschaft an der Universität ­Bielefeld
,
R. Foraita
2   Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, Universität Bremen, Bremen
,
M. Habermann
3   Zentrum für Pflegeforschung und Beratung, Hochschule Bremen, Bremen
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Publication History

Publication Date:
19 February 2014 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Es sollten Erkenntnisse zu Fehlermeldungen aus Sicht von Pflegenden in stationären Einrichtungen generiert werden.

Methode: Eine schriftliche Befragung von in deutschen Pflegeheimen und Krankenhäusern angestellten Pflegekräften wurde durchgeführt.

Ergebnisse: Die 1 100 Teilnehmer haben in einem halben Jahr durchschnittlich 1,9 Fehler gemeldet, im Pflegeheim mehr als im Krankenhaus. Der Anteil gemeldeter Fehler an allen Fehlern wird durchschnittlich auf 20,5% geschätzt. Einem Drittel der Pflegenden war nicht klar, welche Ereignisse gemeldet werden sollten. Jeweils über 20% befürchteten disziplinarische Maßnahmen und gaben mangelnde Rückmeldung zu Fehlermeldungen an. Die Ergebnisse sind statistisch unabhängig vom Vorhandensein eines Fehlermeldesystems, es gibt jedoch Hinweise auf organisatorische Vor- und arbeitsaufwandbezogene Nachteile systematischer Formen der Fehlermeldung. Auch zeigten sich Zusammenhänge des Meldeverhaltens mit der Wahrnehmung auf die Organisation des konkreten Vorgangs der Fehlermeldung bezogener Faktoren.

Schlussfolgerungen: Die inhaltliche Bestimmung von zu meldenden Fehlern und organisatorische und auf den Umgang mit Fehlern bezogene Hindernisse müssen angegangen werden, um die Melderate zu erhöhen und Meldesysteme nutzbar zu machen.

Abstract

Aim of the Study: The aim of this study was to gain insight into the reporting of errors as perceived by nurses employed in inpatient health-care facilities.

Method: A representative written survey of nurses working in German nursing homes and hospitals was conducted.

Results: The 1 100 respondents reported an average of 1.9 errors in the last half year, with nurses working in nursing homes reporting more errors than hospital-employed ones. They estimated that 20.5% of all errors are reported. One third of the participants did not know what events should be reported; more than 20% feared repercussions and mentioned a lack of feedback on error reports. Results are not statistically associated to the presence or absence of an error reporting system, but there are hints for organisational advantages and workload-related disadvantages of systematic forms of reporting. Reporting behaviour was also related to the perception of factors concerning the organisation of the actual reporting of errors.

Conclusion: Defining reportable error events, organisational barriers to report errors and deficits in the dealing with errors and error reports have to be tackled to augment error reporting rates and profit from reporting systems.