Gesundh ökon Qual manag 2014; 19(3): 107
DOI: 10.1055/s-0033-1362567
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Buchbesprechung – Solidarische Wettbewerbsordnung. Genese, Umsetzung und Perspektiven einer Konzeption zur wettbewerblichen Gestaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung

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Publication Date:
18 July 2014 (online)

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Das Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG 1992), das den Beginn wettbewerbsorientierter Reformen der Gesetzlichen Krankenversicherungen einläutete, markiert einen Wendepunkt in der ordnungspolitischen Gestaltung des administrativ-korporatistisch organisierten Systems der Krankenversicherungen. Zwanzig Jahre nach diesem Umbruch macht es sich das Herausgeberteam Cassel / Jacobs / Vauth / Zerth zur Aufgabe, eine umfassende und gründliche Erhebung des Status Quo dieser Reformentwicklungen durchzuführen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die Auswirkungen des GSG auf die Struktur- und Organisationsformen der Kassen sowie Erfolge und Defizite bei der Umsetzung der angestrebten solidarischen Wettbewerbsordnung auf der Ebene des Versicherungs- und des Leistungsmarktes.

Wie ist die wettbewerbliche Öffnung des GKV-Systems in den letzten Jahren vorangeschritten? Wie hat sich der Wettbewerb auf dem Versicherungs- und Leistungsmarkt entwickelt? In welchen Bereichen ist das Konzept der solidarischen Wettbewerbsordnung mit welchen Resultaten umgesetzt worden? Wo liegen die Gründe für diese Ergebnisse und welche defizitären Reformbaustellen lassen sich daraus ableiten? Diese wesentlichen Fragen zur Krankenversicherungsreform gelten dem Buch als Leitlinien und werden in insgesamt 11 Einzelbeiträgen aufgegriffen und diskutiert.

Der Aufbau des Buches gleicht der Struktur der Einzelbeiträge: Eine entwicklungsgeschichtliche Darstellung des jeweiligen Themas, gefolgt von einer umfassenden Erhebung des Ist-Zustandes, mündet in eine Zusammenfassung, die bestehende Defizite bilanziert und konstruktive Perspektiven aufzeigt. Die Eingangsbeiträge beschäftigen sich mit dem GKV-System und legen ihren Fokus auf die Grundprinzipien eines sozialen Gesundheitswesens. Die Autoren greifen zentrale Begriffe wie Leistungswettbewerb, solidarische Wettbewerbsordnung und sozialer Ausgleich auf und geben anhand derselben einen thematisch breit gefächerten Überblick über Genese und Entwicklung der Wettbewerbsorientierung sowie deren Auswirkung auf das gesetzliche Gesundheitswesen.

Der zweite und dritte Teil des Buchs widmen sich schwerpunktmäßig den nachhaltigen Veränderungen auf den Versicherungs- und Leistungsmärkten, die mit der Verpflichtung der GKV zur solidarischen Wettbewerbsordnung einher gingen. Insbesondere in diesem Abschnitt finden sich zahlreiche Berührungspunkte mit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Debatten um das Gesundheitswesen, die sich im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Effektivität und patientenorientiertem, solidarverträglichem Wettbewerb bewegen. Hier reflektieren die Autoren kritisch die zentrale Frage, wie sich wettbewerbliche Elemente im Beziehungsdreieck zwischen Patient, Kostenträger und Leistungsbringer etablieren lassen. Es schließen sich Beiträge zur Arzneimittelversorgung, dem Sektor der ambulanten, bzw. stationären Behandlungen sowie ein internationaler Vergleich der Einstufung von Risikofaktoren und dem damit verbundenen Risikostrukturausgleich „als technischer Kern der solidarischen Wettbewerbsordnung“ an (S.77). Abgerundet wird der Band durch einen vierten Teil, der das wettbewerblich gesteuerte Gesundheitswesen in juristische und staatliche Rahmenbedingungen und Regulationsmechanismen einbettet.

Insgesamt schaffen es die Autoren, das breite und komplexe Thema der wettbewerblichen Umgestaltung der Gesetzlichen Krankenversicherung unter der Prämisse einer solidarischen Wettbewerbsordnung in prägnanter Form unter der jeweils gewählten Problematik darzustellen. Die breitgefächerte, klar strukturierte Aufbereitung der Themen sowie zahlreiche perspektivische Ausblicke und konstruktive Anregungen auf Ebene der Einzelbeiträge bieten dem Leser einen zuverlässigen Überblick, den sowohl Fachkräfte des Gesundheitswesens wie Wissenschaftler willkommen heißen werden.

Fabian Kreimendahl, Burscheid