Suchttherapie 2014; 15(03): 118-124
DOI: 10.1055/s-0034-1382028
Schwerpunktthema
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sucht und Alter: Ethische Aspekte

Ethical Aspects of Addiction in the Context of Ageing
C. Sedmak
1  Internationales Forschungszentrum Salzburg
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Publication History

Publication Date:
12 August 2014 (online)

Zusammenfassung

Ethik ist das systematische Nachdenken über das Gute und Gesollte. Im Zusammenhang mit dem Themenkomplex „Sucht und Alter“ stellen sich ethische Herausforderungen in zumindest 4 Bereichen: Eine Ethik der Institution, die Bedacht darauf nimmt, dass Menschen in ihrer Selbstachtung nicht verletzt und gedemütigt werden. Eine Ethik der Problemwahrnehmung und -beschreibung, die darauf Bedacht nimmt, dass Sucht im Alter nicht ignoriert oder bagatellisiert wird und sich der ethischen Sensibilität ihrer Diagnose bewusst ist. Eine Ethik der Selbstbestimmung und Verantwortung, die die Einschränkung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung durch Sucht anerkennt und versucht in Form der Selbstmitbestimmung mit den Betroffenen zu arbeiten. Eine Ethik des Alters und Alterns, die Eigenheit und den Eigenwert des Alters anerkennt und die ältere Menschen auf ihrer Reise durch dieses „unbekannte Land“ begleitet. Ich möchte diese Bereiche skizzieren und dann einen „Kompass“ mit Fragerichtungen für ethisch sensible Situa­tionen anbieten. Im Mittelpunkt steht das gute Gespräch als Schlüssel für einen ethisch sensiblen Umgang miteinander.

Abstract

Ethics is the systematic thinking about the good and what we ought to do. In the context of age and addiction, I want to distinguish 4 areas of ethical concern: An ethics of institutions, which emphasizes that the self-respect and dignity of patients is protected. An ethics of the perception and description of the problem, which emphasizes that addiction in old age is taken seriously and that is aware of the ethical sensitivity of its diagnosis. An ethics of self-determination and responsibility, which recognizes that addiction hurts the capability of self-determination but still aims to work with the patients in a form of “co-self-determination”. An ethics of ageing and old age, which emphasizes the peculiarity and worth of age and accompanies older patients on their journey through this “undiscovered country”. Finally, I want to sketch an ethical compass and highlight the “good dialogue” as the key to an ethical sensitive interaction with each other.