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DOI: 10.1055/s-0037-1606031
Trajektorien in der Schülergesundheit: Welche Rolle spielen Familienform, familiäre Kohäsion und Eltern-Kind-Beziehung?
Publikationsverlauf
Publikationsdatum:
01. September 2017 (online)
Fragestellung:
Dieser Beitrag stellt intraindividuelle Veränderungen in der Gesundheit Heranwachsender über die 5. bis 9. Klasse dar und prüft differenzielle Trajektorien abhängig von Familienform und -klima. Querschnittsanalysen belegen eine schlechtere Gesundheitseinschätzung Heranwachsender die nicht in Kernfamilien aufwachsen, insbesondere für Kinder von Alleinerziehenden. Dieser Zusammenhang wird teils auf Selektionseffekte, teils auf kausale Einflüsse zurückgeführt – etwa aufgrund schlechterer Ressourcenausstattung – und verringert sich, werden Aspekte des Familienklimas kontrolliert. Eine valide Analyse dieser Zusammenhänge ist erst im Längsschnitt möglich.
Methoden:
Datengrundlage liefert das Nationale Bildungspanel (NEPS). In die Analysen flossen 18.606 Beobachtungen über fünf Beobachtungszeitpunkte von insgesamt 4.804 SchülerInnen ein, die von der 5. bis 9. Klasse von 2010 bis 2014 jährlich befragt wurden. In linearen gemischten Modellen werden die Verläufe der selbstberichteten Gesundheit in Abhängigkeit von Familienform, sowie familiärer Kohäsion und Eltern-Kind-Beziehung als Aspekte des Familienklimas analysiert.
Ergebnisse:
Die selbstberichtete Gesundheit verschlechtert sich über die Zeit, doch abweichende Verläufe abhängig von der Familienform finden sich nicht. Jedoch zeigen Heranwachsende mit einer guten Eltern-Kind-Beziehung eine Verbesserung der Gesundheit über die Zeit, jene die einen starken familiären Zusammenhalt berichten hingegen eine Verschlechterung.
Schlussfolgerungen:
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die gesundheitliche Entwicklung durch die Familie geprägt wird, dabei jedoch weniger die Zusammensetzung des familiären Haushaltes entscheidend ist, sondern Aspekte des Familienklimas berücksichtigt werden müssen. Insbesondere eine gute Eltern-Kind-Beziehung stellt dabei einen wichtigen protektiven Faktor dar. Ein starker familiärer Zusammenhalt kann jedoch auch nachteilig sein und den Entwicklungsaufgaben entgegenstehen.