Gesundheitswesen 2017; 79(08/09): 656-804
DOI: 10.1055/s-0037-1606046
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Organizational Behaviour im Kooperationsnetzwerk – eine systemtheoretisch-qualitative Analyse von Kooperationsnetzwerken

D Lüdecke
1   Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
01. September 2017 (online)

 

Einleitung und Fragestellung:

Patientenorientierung hat stetig an Bedeutung gewonnen und wird als wesentlicher Bestandteil der Versorgungsqualität angesehen. Regulations- und Steuerungsmechanismen (z.B. Modelle der integrierten Versorgung), müssen sicherstellen, dass aufgrund knapper finanzieller Ressourcen die Versorgung nicht zu Gunsten des Profitstrebens vernachlässigt wird. Doch wie lässt sich so ein Versorgungsprozess koordinieren und lenken? Die vorgestellten Analysen konzentrieren sich auf zwei Fragen: (1) Welche Mechanismen ermöglichen die Steuerung von Versorgungsprozessen mit angemessener Qualität, insbesondere unter Berücksichtigung der ökonomischen Rahmenbedingungen? (2) Wie sollten Versorgungsnetze gestaltet sein, um den Spagat zwischen hochwertiger Versorgung einerseits und Kostenkontrolle andererseits zu bewältigen?

Methoden:

Es wurden 17 Experten aus verschiedenen Krankenhäusern in Form qualitativer, leitfadengestützter Interviews befragt. Diese wurden mithilfe der dokumentarischen Methode ausgewertet.

Ergebnisse:

Versorgungsnetzwerke, sofern sie auf Selbstregulation basieren, sind in der Lage, die Ansprüche von medizinisch hochwertiger und patientenorientierter Versorgung unter dem Druck finanziell begrenzter Ressourcen zu arrangieren. Sie lösen und bearbeiten das Problem fehlender, durch Vertragsregelungen fest installierter Feedbacksysteme, indem sie Evaluationskriterien hinsichtlich der Versorgungsqualität aus der Wechselseitigkeit und Selbstregulation der Netzwerke entwickeln.

Schlussfolgerung:

Anhand der Ergebnisse zeigt sich, dass vertraglich geregelte, integrierte Versorgungsnetzwerke mit Vorsicht zu planen ist. Die Steuerung von Versorgungsprozessen, insbesondere im Rahmen der Kooperation durch vernetzte Versorgung, lässt sich nicht ausschließlich von oben herab durchsetzen. Genauso wenig darf eine rein an Profit ausgerichtete Gestaltung der Versorgungsabläufe als Steuerungsinstrument eingesetzt werden.