Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44(02): 130
DOI: 10.1055/s-0039-1684885
1) Ernährung und Verantwortung in der Gesellschaft, Public Health
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kurzzeiteinfluss von alkohol- und zuckerhaltigen Getränken auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei jungen, gesunden Erwachsenen: randomisierte, kontrollierte Cross-over Studie

F Wilke
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
,
F Flessner
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
,
L Jausz
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
,
M Vollgraf
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
,
J Graf
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
,
M Maier
1  Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Diätetik, Hochschule Neubrandenburg, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Es ist bekannt, dass Alkohol und Zucker1 die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen und ein langfristiger Alkoholkonsum negative Effekte hat. Dennoch sollten der Zeitpunkt des Wirkungseintritts und die Bedeutung bei Handlungen im Alltag näher betrachtet werden. In dieser randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) wurde die Kurzzeitwirksamkeit von Alkohol und Zucker auf die kognitive Leistungsfähigkeit 15 Minuten nach Aufnahme von Testgetränken bei jungen gesunden Erwachsenen überprüft.

Methoden:

Die Untersuchungen wurden einfach verblindet im Quadruple-Cross-Over-Design vom 18.10.-9.11.2018 durchgeführt (siehe Abb. 1). Inkludiert wurden 12 gesunde Probanden/innen (5w/7 m, BMI: 25,1 ± 3,2 [18,5 – 30,3] kg/m2, Alter: 26 ± 3,7 [21 – 31] Jahre). Exklusionskriterien waren Nahrungsmittelallergien/-intoleranzen jeglicher Art und Arzneimitteleinnahmen ausgenommen Antikontraceptiva. Die kognitiven Untersuchungen (Regensburger Wortflüssigkeitstest2 (RWT), Six Letter Cancellation Test (SLCT3, Konzentrationstest)) wurden nach mindestens 12-stündiger Nahrungskarenz und 15 Minuten nach Aufnahme des Testgetränks á 500 ml (Apfelschorle, Wasser, alkoholhaltiges Bier, alkoholfreies Bier) an 4 Interventionstagen mit jeweils einwöchiger Wash-out-Phase (± 1 Tag) durchgeführt. Puls, Blutdruck (Boso medicus, Bosch) und Blutzuckerwerte (MediTouch 2, Medisana) wurden basal und nach 30 Minuten ermittelt.

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Abb. 1: Studiendesign, Randomisierte kontrollierte Studie im Quaadruple-Cross-Over-Design

Ergebnisse:

Die verbale Wortflüssigkeit (RTW) war über alle 4 Getränkegruppen vergleichbar (p = 938). Die Ergebnisse zur Konzentrationsfähigkeit (SLCT) beim Vergleich von alkoholhaltigem Bier vs. Leitungswasser (41 ± 14 vs. 48 ± 11, p = 0,022, siehe Abb2) und alkoholhaltigem Bier vs. Apfelschorle (41 ± 14 vs. 46 ± 10, p = 0,049) zeigten eine signifikant negative Auswirkung von Alkohol. Zuckerhaltige Getränke hatten entgegen unserer Annahme keinen Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit (Apfelschorle vs. Wasser, p = 0,480). Wie erwartet stiegen die mittleren Blutzuckerwerte 30 Minuten nach Aufnahme von alkoholhaltigem Bier (+34,3 mg/dL,p < 0.001), alkoholfreiem Bier (+63,5 mg/dL, p < 0.001) und Apfelsaft (+22,0 mg/dL, p < 0.001) signifikant, während sie bei Aufnahme von Wasser leicht, aber dennoch statistisch signifkant sanken (-4,9 mg/dL, P < 0,029). Blutdruck und Puls wurden nicht beeinflusst.

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Abb. 2: Vergleich der Six Letter Cancellation Test (SCLT)-Scores: 15 Minuten nach Konsum von alkoholhaltigem Bier vs. Wasser

Schlussfolgerung:

Alkohol hat zwar keinen maßgeblichen Einfluss auf die verbale Wortflüssigkeit, allerdings nimmt die Konzentrationsleistung ab. In dieser Untersuchung zeigte Zucker keine Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten. Die eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit kurz nach Aufnahme von geringen Mengen Alkohol könnte somit Handlungen im Alltag beeinträchtigen.

Literatur:

[1] Ginieis R et. al. Physiology and Behavior 2018; 184:242 – 7

[2] Aschenbrenner S et al. Göttingen: Hogrefe Verlag; 2000.

[3] Pradhan B, Int J Yoga. 2008;1(2):72 – 5

Acknowledgement:

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Luzia Valentini und Sara Ramminger, M.Sc. für Ihre Unterstützung.