Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44(02): 131
DOI: 10.1055/s-0039-1684887
2) Screening, Assessment, Prozesse und Qualitätssicherung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Aus der Praxis in die Praxis!“ Ernährungsmedizinische Dokumentation im Arztbrief – ein Beispiel für erfolgreiche integrierte Versorgung im Bereich der Ernährungsmedizin

S Berger
1  LKH-Univ. Klinikum Graz, Ernährungsmedizinischer Dienst
,
AM Eisenberger
1  LKH-Univ. Klinikum Graz, Ernährungsmedizinischer Dienst
,
R Roller-Wirnsberger
2  Universitätsklinik für Innere Medizin – Gemeinsame Einrichtung
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Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Wird die derzeitige Lage in Österreich hinsichtlich der Weitergabe ernährungsrelevanter Informationen betrachtet wird deutlich, dass diese nicht einheitlich geschieht und nur teilweise befriedigend im medizinischen Informationsaustausch enthalten ist. Auch international zeigt sich ein ähnliches Bild. Um den nachhaltigen Nutzen der Ernährungstherapie zu sichern ist es jedoch notwendig, die Therapie extramural fortzusetzen. Hierfür ist ein zeitnaher Informationsaustausch zwischen den Leistungserbringern durch EDV-Vernetzung im Sinne einer integrierten Versorgung unerlässlich.

Ziel dieser Studie war es, ein evidenzbasiertes Dokument für die ernährungsmedizinische Dokumentation zu entwickeln, dieses auf ihre Relevanz und Brauchbarkeit bei Hausärzten/innen und klinischen Ärzten/innen im Alltag zu testen und im Sinne einer integrierten Versorgung in das EDV-System eines Krankenhausträgers zu implementieren.

Methode:

Basierend auf einer strukturierten Literaturrecherche und einer anschließenden modifizierten Delphi-Umfrage bei Experten/innen in ganz Europa wurden Kerninhalte einer ernährungsmedizinischen Dokumentation erhoben. Diese Kerninhalte wurden bei klinischen Ärzten/innen und Hausärzten/innen anhand einer Fragebogenerhebung auf ihre Relevanz und Brauchbarkeit evaluiert. Im letzten Schritt wurde dieses evidenzbasierte Dokument für die ernährungsmedizinische Dokumentation in ein EDV-System eines Krankenhausträgers implementiert. Die Erfassung und statistische Auswertung der Daten erfolgte mittels des statistischen Analyse- und Datenverwaltungssystems SPSS®.

Ergebnisse:

Insgesamt umfasst das evidenzbasierte Dokument für die ernährungsmedizinische Dokumentation 30 Kerninhalte, welche in die Domänen „Ernährungsassessment“, „Ernährungsdiagnose/Ernährungsinterventionen“ und „Künstliche Ernährung“ eingeteilt wurden. Bei der Datenerhebung zeigten sich zwischen den 25 klinischen Ärzte/innen und den 23 Hausärzten/innen keine signifikanten Unterschiede (p ≤0,05). Die Erwartungen der Ärzte/innen gingen konform mit denen der Experten/innen der Delphi-Umfrage. Eine Ausnahme stellten bei den Ärzten/innen die Geschmacksanamnese und der Gewichtsverlauf in Prozentangabe dar. Diese wurden als „nicht relevant“ für die ernährungsmedizinische Dokumentation angesehen. Das entwickelte Dokument wurde in das EDV-System eines Krankenhausträgers mit 20 Spitälern implementiert und kommt dort in der täglichen Praxis zum Einsatz.

Schlussfolgerung:

Das entwickelte Dokument stellt im Sinne der integrierten Versorgung eine Basis für die ernährungsmedizinische Dokumentation dar. Es kann in jedes computerbasierte Krankenhausinformationssystem regional eingepflegt werden und dient als Rahmen für die weitere Entwicklung. Es erfordert jedoch zusätzliche Tests hinsichtlich seiner Verwendbarkeit in der klinischen Praxis in verschiedenen Settings.

Literatur:

[1] Berger S, Eglseer D, Eisenberger AM, Wirnsberger G, Roller-Wirnsberger R. Development of a nutritional documentation tool (NDoc):a Delphi study. Br J Nutr. 2019;1 – 20.

[2] Cederholm T, Barazzoni R, Austin P, Ballmer P, Biolo G, Bischoff S, et al. ESPEN Guidelines on definitions and terminology of clinical nutrition. Clin Nutr. 2016;1 – 16.

[3] Rachman-Elbaum S, Porat-Katz BS, Kachal J, Stark AH. Documentation of the dietetic care process: developing a sectoral, tailored system. Eur J Clin Nutr. 2016;70(6):753 – 5.