Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44(02): 131-132
DOI: 10.1055/s-0039-1684888
2) Screening, Assessment, Prozesse und Qualitätssicherung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Ernährungsstatus laut MNA als möglicher prognostischer Faktor für Gesundheits- und Behandlungsendpunkte bei PatientInnen mit Krebserkrankungen – eine systematische Übersichtsarbeit

G Torbahn
1  Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
,
T Strauß
1  Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
,
CC Sieber
1  Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
,
E Kiesswetter
1  Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
,
D Volkert
1  Institut für Biomedizin des Alterns, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Hintergrund:

PatientInnen mit Krebserkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung, was wiederum mit einem schlechteren Überleben oder Therapieabbruch verbunden ist. Das Mini Nutritional Assessment (MNA®) wird häufig bei PatientInnen mit Krebserkrankungen eingesetzt und weist, verglichen mit anderen Screeninginstrumenten, eine hohe inhaltliche Validität auf. Diese systematische Übersichtsarbeit untersucht, ob der mittels MNA® erhobene Ernährungsstatus in longitudinalen Studien ein potenzieller prognostischer Faktor für Gesundheits- und Behandlungsendpunkte bei PatientInnen mit Krebserkrankungen ist.

Methoden:

Wir haben 4 Datenbanken durchsucht, um potenziell relevante Studien, die von 1994 bis September 2018 publiziert wurden, einzuschließen. Nach zuvor festgelegten Kriterien (longitudinale Studie bei PatientInnen mit Krebserkrankungen, durch MNA® erfasster Ernährungsstatus und potenzielle Assoziation mit Gesundheits-/Behandlungsendpunkten) screenten 2 Reviewer Titel/Abstracts und Volltexte, extrahierten Daten und bewerteten das Verzerrungspotential unabhängig voneinander.

Ergebnisse:

Wir haben 38 longitudinale Studien eingeschlossen, die in Bezug auf Patientenmerkmale wie Alter, Geschlecht, Ernährungsstatus, Krebsart, -stadium und Behandlung variierten. Die Studien untersuchten Assoziationen zwischen dem Ausgangs-MNA®-Ergebnis (Kategorien: mangelernährt, Risiko für Mangelernährung, gut ernährt oder Punktzahl) und Mortalität/Gesamtüberleben (n = 22), progressionsfreiem Überleben/Zeit bis zur Progression (n = 5), Therapieabbruch/-änderung (n = 8), funktionellem Status/Abbau (n = 4), unerwünschten Ereignissen/Behandlungskomplikationen/Toxizität (n = 6) und anderen Endpunkten (Stürze, Fatigue, Lebensqualität (jeweils n = 1)). Ein besserer Ernährungsstatus laut MNA war in 20 von 27 Studien mit signifikant geringerem Mortalitätsrisiko/längerem oder progressionsfreiem Überleben und in 5 von 8 Studien mit einer geringeren Chance für Therapieabbruch assoziiert. Die Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen MNA®-Ergebnis und den übrigen Endpunkten waren inkonsistent. Das Verzerrungsrisiko in den Studien war moderat bis hoch (insbesondere im Hinblick auf residuelles Confounding).

Schlussfolgerungen:

Der Ernährungsstatus laut MNA® scheint Mortalität, Überleben und Therapieabbruch bei PatientInnen mit verschiedenen Krebserkrankungen zu prognostizieren. Für andere Endpunkte sind die Ergebnisse nicht eindeutig. Das hohe Verzerrungspotenzial der eingeschlossenen Studien und das Vorhandensein weiterer möglicher Einflussgrößen sollte bei der Interpretation und Einordnung der Ergebnisse beachtet werden. Weitere Studien zu diesen Endpunkten mit klar definierten Patientengruppen und einer standardisierten Vorgehensweise sowie einer guten Kontrolle des Verzerrungspotentials sind erforderlich.

Interessenkonflikt:

Das Projekt wurde finanziell ermöglicht von Nestec S.A.