Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44(02): 135-136
DOI: 10.1055/s-0039-1684896
2) Screening, Assessment, Prozesse und Qualitätssicherung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Konzeption und Curriculumsevaluation eines Gruppenseminars für neudiagnostizierte, erwachsene Zöliakiebetroffene unter Berücksichtigung des prozessgeleiteten Arbeitens in der Diätetik

V Bauer
1  Hochschule Fulda – University of Applied Sciences, Fulda, Germany
,
K Brandl
1  Hochschule Fulda – University of Applied Sciences, Fulda, Germany
,
K Kohlenberg-Müller
1  Hochschule Fulda – University of Applied Sciences, Fulda, Germany
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Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Das prozessgeleitete Handeln nimmt in der Diätetik einen immer höheren Stellenwert ein, weshalb in Deutschland die Implementierung des German-Nutrition Care Process (G-NCP) in der Praxis angestrebt wird [1]. Dies zeigt sich zum jetzigen Zeitpunkt bestenfalls in Einzelberatungen, während Gruppenschulungen laut Literatur davon noch unberührt bleiben. Zur Behebung dieses Defizits wurde mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) ein Curriculum nach G-NCP für die Gruppenseminare neudiagnostizierter Zöliakiebetroffener erstellt und in der Theorie evaluiert. Auf diese Weise sollte die Fragestellung, inwieweit die Umsetzbarkeit des G-NCP bei Gruppenseminaren möglich ist, beantwortet werden.

Methodik:

Nach Literaturrecherche und Analyse bisheriger Schulungsmaterialien wurde ein strukturiertes Curriculum mit Zeit- und Inhaltsplanung, entsprechenden Materialien und Umsetzungsbeispielen entworfen. Ein mehrstündiger Evaluations-Workshop mit Mitarbeiter*innen der DZG erbrachte viele konstruktive Verbesserungsvorschläge, die in das Schulungskonzept eingepflegt wurden.

Ergebnisse:

Das Curriculum besteht aus den fünf Prozessschritten Ernährungsassessment, Ernährungsdiagnose, Planung der Intervention, Durchführung dieser sowie Evaluation und Monitoring. Es zeichnet sich durch die zeitliche Vorlagerung der ersten drei Prozessschritte und die Durchführung von Assessment und Monitoring per Fragebogen aus. Mithilfe der Ergebnisse des Evaluations-Workshops wurden die Diagnose-Statements komplett erneuert, der Schulung ein „Open End“ zum Austausch gegeben und die Fragebögen nutzerspezifischer angepasst.

Schlussfolgerung:

Die Umsetzung des G-NCP bei Gruppenschulungen geht mit einigen Grenzen und Kompromissen einher. Das prozessgeleitete Handeln bringt die Vorteile von besserer Struktur, Dokumentation und Vergleichbarkeit der Durchführung mit sich. Andererseits werden die Aspekte Individualität und Praxisbezug bei der Schulung von Gruppen stark vernachlässigt. Somit können Gruppenseminare als gute Grundlage angesehen werden, auf die in Einzelberatungen aufgebaut werden kann.

Literatur:

[1] Ohlrich-Hahn S.: Prozessgeleitetes Handeln in der Ernährungstherapie. VDD veröffentlicht das Manual für den German-Nutrition Care Process (G-NCP). In: Ernährungs Umschau 2016 (3). M180-M181.

Acknowlegement:

Die Autor*innen danken den Mitarbeiterinnen der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V., Arbeitsgruppe Ernährung, für ihre Unterstützung.