Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44(02): 145
DOI: 10.1055/s-0039-1684916
9) Klinische Ernährungsmedizin IV: Onkologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Auswirkungen unterschiedlicher Kostformen auf Energiebilanz und Körperzusammensetzung bei Mamma-Carcinom-Patientinnen

M Reuss-Borst
1  Schwerpunktpraxis am Reha- und Präventionszentrum Bad Kissingen/Bad Bocklet; Georg-August-Universität Göttingen
,
T Schäfer
1  Schwerpunktpraxis am Reha- und Präventionszentrum Bad Kissingen/Bad Bocklet; Georg-August-Universität Göttingen
,
F Joos
1  Schwerpunktpraxis am Reha- und Präventionszentrum Bad Kissingen/Bad Bocklet; Georg-August-Universität Göttingen
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Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Hintergrund:

Ziel der Studie war, die Auswirkung von drei getesteten Kostformen [ketogene Diät (KD), „lowcarb“ (LOGI) oder DGE-Ernährung (DGE)] auf Energieversorgung, Proteinaufnahme und Körperzusammensetzung bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen.

Methode:

Studienpatientinnen konnten bei Beginn einer stat. Rehamaßnahme eine der drei Ernährungsformen frei wählen. Die Makronährstoffe setzten sich wie folgt zusammen (Energieprozent Fett/Eiweiß/Kohlenhydrate). KD (80 – 85/16 – 18/2 – 4), LOGI (40 – 50/20 – 30/20 – 30), DGE (28 – 31/16 – 17/52 – 52). Für die Energiebilanz und Proteinaufnahme wurden 3 zufällig gewählte Tage des detailliert geführten Ernährungstagebuchs aus der ambulanten Phase herangezogen. Zum Zeitpunkt t0 und nach 20 Wochen wurde die Körperzusammensetzung (DXA) ermittelt. Die Werte wurden statistisch mittels nicht-parametischen Kruskal-Wallis Test bzw. Mann-Whitney-U Test ausgewertet.

Ergebnisse:

Der Median der Energieaufnahme in der KD Gruppe (31,8 kcal/d/kg KW) lag signifikant höher als in der DGE-Gruppe (24,5 kcal/d/kg KW; p < 0,0001) und LOGI-Gruppe (22,8 kcal/d/kg KW, p = 0,0005). Es zeigte sich eine hoch signifikant (p < 0,0004)höhere täglich aufgenommene Proteinmenge in der Keto-Gruppe (1,3 g/d/kg KW) im Vergleich zur DGE-Gruppe (0,9 g/d/kg KW), welche auch im Vergleich zur LOGI-Gruppe (1,1 d/d/kg KW) signifikant (p = 0,0004) niedriger lag. Der BMI reduzierte sich um 0,4 (initial: von 24) in der KD-Gruppe, um 1,4 (initial: 27,4) in der LOGI-Gruppe und um 0,6 (initial 26,8) in der DGE- Gruppe.

Der Muskel-Fett-Anteil nahm zu von: 2,07/2,4 (KD), 1,58/1,77 (LOGI) (p = 0,02) und 1,65/1,75 (DGE). Das viscerale Fett nahm ab: 9.98/7,88 kg (KD), 14,3/12,6 kg (LOGI) und 12,7/12,1 kg (DGE). Bereits bei t0 war die Gesamtfettmenge in der KD-Gruppe (21,8 kg) am geringsten (p < 0,001 bzw. p = 0,02) bzw. lag der Muskel/Fettanteil mit 2,07 signifikant höher als in den beiden anderen Gruppen. Die genaue Analyse bzgl. Vorerfahrungen mit einer Kost zeigte, dass 14 TN Erfahrung mit einer KD hatten, 8 (LOGI), 7 (DGE).

Schlussfolgerung:

Mithilfe der KD nahmen die Patientinnen die größte Energie- und Proteinmenge auf; ihr Gewicht blieb über 20 Wochen stabil.

Die niedrigste Energiemenge/Tag wurde in der LOGI-Gruppe aufgenommen, hier konnten die zu Studienbeginn übergewichtigen Patientinnen am meisten Gewicht reduzieren und verzeichneten auch eine signifikante Verbesserung des Muskel/Fett-Anteils.

Auffällig in der KD-Gruppe war, dass die TN zu t0 bereits die geringste Gesamtfettmenge und höchste Muskel/Fettrelation aufwiesen, was auf Vorerfahrungen mit dieser Kostform zurückzuführen ist.