Aktuelle Ernährungsmedizin 2019; 44(02): 148
DOI: 10.1055/s-0039-1684922
9) Klinische Ernährungsmedizin IV: Onkologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ketogene Diät und Kurzzeitfasten als therapeutische Ergänzung während einer palliativen Chemotherapie beim Bronchialkarzinom

K Brenner
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
,
J Riera Knorrenschild
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
,
J Thiemer
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
,
E Mack
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
,
M Koch
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
,
G Jaques
1  UKGM Universitätsklinikum Marburg, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, IAC Interdisziplinäre Ambulante Chemotherapie
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Publication History

Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Präklinische Studien weisen darauf hin, dass eine Ketogene (kohlenhydratarme) Diät, aber auch Fasten die Verträglichkeit einer Chemotherapie verbessern können [1]. Um die Vorteile dieser Konzepte zu nutzen, wurde eine Kombination aus Ketogener Diät und Kurzzeitfasten während einer Chemotherapie auf ihre Verträglichkeit, Durchführbarkeit und Akzeptanz geprüft.

Methodik:

Insgesamt wurden 14 Patienten mit fortgeschrittenem Kleinzelligen und Nicht-Kleinzelligen Lungenkarzinom, die alle ein ambulantes palliatives Behandlungskonzept bestehend aus einer Platin-basierten Chemotherapie erhielten, für eine Machbarkeitsstudie rekrutiert.

Die Ernährungsintervention bestand aus 3 Tagen Ketogener Diät vor und 24-Stunden-Kurzzeitfasten an den Chemotherapie-Tagen und wiederholte sich zu jedem erneuten Chemotherapie-Zyklus. Der Studienzeitraum umfasste je nach Patient 3 – 4 Monate.

Nebenwirkungen wurden sowohl aus ärztlicher (Anamnese, körperliche Untersuchung), als auch aus Patientensicht (GASE-P-Fragebogen) erfasst. Der Gewichtsverlauf, BMI und Bioelektrische-Impedanz-Analyse wurden dokumentiert. Mithilfe des modifizierten Glasgow-Prognose-Scores (mGPS) wurde der Tumorkachexiegrad festgestellt. Um metabolische Veränderungen aufzuzeigen, wurden Albumin, Glukose, Insulin, IGF-1, CRP im Serum bestimmt. Zusätzlich erfolgte eine Analyse der Lebensqualität in verschiedenen Dimensionen (HADS, FAACT, FACT-L). Zur Bewertung der Compliance dienten ein Ernährungstagebuch und die Ketonkörperbestimmung im Urin.

Ergebnis:

Bei den bisher ausgewerteten Patienten (n = 5) zeigte sich ein Gewichtsverlust kleiner als 10%. Obstipation trat als häufigste gastrointestinale Nebenwirkung auf. Das Verständnis und die Compliance der Ernährungsintervention, sowie die Parameter Lebensqualität, Depressivität, Angst variierten. Zu Studienbeginn brachen 5 Patienten, aufgrund von Therapieumstellung, Therapiezentrum-Wechsel, Unverständnis, Zusatzbelastung, Verschlechterung des Krankheitszustands, ab. Nebenwirkungen durch die getestete Ernährungsintervention stellten keinen Grund für einen Studienabbruch dar. Bei den restlichen Patienten (n = 9) erwies sich das Ernährungskonzept als durchführbar.

Schlussfolgerung:

Ketogene Diät und Kurzzeitfasten verlangen ein hohes Maß an Compliance der Patienten, welches durch ein stationäres Setting verbessert werden könnte. Nach Auswertung aller Patienten und Evaluation des Studienkonzeptes ist eine größere Folgestudie geplant.

Literatur:

[1] O'Flanagan et al. (2017): When less may be more. Calorie restriction and response to cancer therapy. In: BMC medicine 15 (1), S. 106.