Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44(02): 149
DOI: 10.1055/s-0039-1684924
9) Klinische Ernährungsmedizin IV: Onkologie, Gastroenterologie, Pneumologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erfahrungen und Ergebnisse in der Behandlung von Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen in einer ambulanten Praxis – Das Kurzdarmsyndrom

J Putziger
1  Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin BDEM
,
C Haaks
1  Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin BDEM
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Publication Date:
26 April 2019 (online)

 

Einleitung:

Das KDS ist ein Malassimilationssyndrom, dem das Fehlen eines Darmabschnitts zugrunde liegt [1]. Es stellt in seiner Vielfalt eine ernährungsmedizinische Herausforderung dar. Ursache ist meist eine chirurgische Resektion mit einer eingeschränkten Fähigkeit des Darms zur Aufnahme von Flüssigkeit sowie Makro- und Mikronährstoffen [2]. Von 2007 bis 2018 werden in einer Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin BDEM® in Leipzig 260 Patienten mit Kurzdarmsyndromen behandelt. Ausgewertet sind die Ursachen des KDS, der Verlauf des Ernährungszustands und die Überlebensdauer in Bezug auf eine personalisierte Ernährungstherapie.

Methode:

Die Datenerhebung erfolgt zunächst über eine quantitative Erfassung der Patienten. Daraufhin werden die Patienten in Gruppen eingeteilt (Einmal- und Dauerpatienten). Über Analysen der Patientenakten wird eine Übersicht über die Ursachen, die verschieden Messmethoden (z.B.: Bioelektrische Impedanzanalyse), die angewandten Therapien und den Verlauf erstellt. Besonders die Mangelernährung unterliegt einer speziellen Betrachtung.

Ergebnisse:

Von insgesamt 260 Patienten unterziehen sich 127 nur einer einmaligen Beratung, 133 Personen sind über einen längeren Zeitraum in Behandlung. Die Ursachen für das KDS sind vielfältig. Eine erste Übersicht der ausgewerteten Akten zeigt Tabelle 1.

Die weitere Analyse wurde auf die Dauerpatienten bezogen.

Von diesen sind 57 Patienten männlich im Alter von 24 – 86 Jahren und 76 weiblich (18 – 90 Jahre). Bei der ersten Vorstellung sind 110 Patienten mangelernährt, wovon bei 7 Patienten eine „high risk“-Situation vorliegt.

Alle Patienten erhalten mehrfach Ernährungsempfehlungen. Es wird bei insgesamt 99 Patienten mit einer individuellen parenteralen Ernährungstherapie (Compounding) begonnen. Diese wird bei 84 Patienten als heimparenterale Ernährung über ein Portsystem in Zusammenarbeit mit Homecare-Providern verabreicht. Dabei wurden große Erfolge erzielt. Hierzu ein Beispiel: Seit 1991 befindet sich Frau S. in Behandlung. Ursächlich für das KDS ist eine Colitis granulomatosa vom Crohn-Typ mit maligner Entartung. Operativ handelt es sich um eine totale Kolektomie, Endileum-Resektion sowie eine Ileostoma-Anlage.

Schlussfolgerung:

Mit einer individuellen, regelmäßig den Bedürfnissen angepassten Ernährungstherapie und kombinierten Ernährungsberatung können Verlauf und Überlebenszeit verlängert werden werden.

Tabelle 1:

Ursachen des KDS und prozentuale Verteilung im ambulanten Bereich n = 260

Ursachen

Anzahl

Prozentualer Anteil

Chronisch entzündliche Darmerkranung

33

12,7%

- Mb. Crohn

16

6,2%

- Colitis ulcerosa

17

6,5%

Radiatio

27

10,4%

Durchblutungsstörung

19

7,3%

Resektionen

181

69,6%

- Magenresektion

28

10,8%

- Whipple OP

24

9,2%

- Weiterer Gastrointestinaltrakt

129

49,6%

Literatur:

[1] Pape, U.-F; Weyland, K. H.; Knappe-Drzikova, B.; Gerlach, U.; Pascher, A. (2013): Kurzdarmsyndrom und Darmversagen: Diagnostik und Therapie. In: Aktuelle Ernährungsmedizin (38: 132 – 146).

[2] Lamprecht, G.; Pape, U.-F; Witte, M.; Pascher, A. (2014): S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. in Zusammenarbeit mit der AKE, der GESKES und der DGVS Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 3) – Chronisches Darmversagen.