Gesundheitswesen 2018; 80(01): 20-26
DOI: 10.1055/s-0041-111842
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Was ihr wollt“, Ergebnisse einer empirischen Bedarfsanalyse zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Ärztinnen und Ärzten

“What you will”: Results of an Empirical Analysis of the Need to Improve Work-life Balance for Physicians
L. Jerg-Bretzke
1  Sektion Medizinische Psychologie, Universität Ulm, Ulm
,
P. Krüsmann
1  Sektion Medizinische Psychologie, Universität Ulm, Ulm
,
H. C. Traue
1  Sektion Medizinische Psychologie, Universität Ulm, Ulm
,
K. Limbrecht-Ecklundt
2  Psychotherapeutische Hochschulambulanz Verhaltenstherapie, Universität Hamburg, Hamburg
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Publication History

Publication Date:
15 February 2016 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Kliniken stehen vermehrt der Anforderung gegenüber für Ärztinnen und Ärzte Arbeitsbedingungen zu schaffen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Dies ist gleichzeitig auch als Chance zu betrachten, sich als Arbeitgeber von anderen Kliniken abzuheben.

Methode: N=120 Ärztinnen und Ärzte der Medizinischen Fakultät sowie N=679 Studierende der Humanmedizin im vorklinischen und klinischen Abschnitt wurden online befragt. Im Fokus dieser Studie stand die Erfassung des Veränderungsbedarfs an Kliniken zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ergebnisse: Hypothesenkonform zeigte sich in der Work-Family/Family-Work Conflict Scale (WFC/FWC) eine erschwerte Vereinbarkeit von Familie und Tätigkeit nach Eintritt in das Berufsleben – insbesondere mit Kind. Besonders die Arbeitsunterbrechung im Notfall, Teilzeitregelungen oder Notfallbetreuung für Kinder schätzen über 90% Befragten als wichtiges Instrument zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Zusätzlich wünschen sich Ärztinnen und Ärzte, dass ihre Vorgesetzten Vereinbarkeitsthemen aktiv unterstützen.

Schlussfolgerung: Die Analyse der Vereinbarkeit von Familie und Tätigkeit zeigt Handlungsbedarf in den untersuchten Stichproben. Durch die erfassten Maßnahmen, die als entlastend beurteilt werden, können konkrete Handlungsschritte für Kliniken abgeleitet werden. Die Analyse des WFC/FWC stellt eine Möglichkeit dar, standardisiert die Belastung durch Tätigkeit in der Familie und vice versa zu erfassen.

Abstract

Study Aims: This study assessed the perceived need for clinics to improve work-life balance of physicians. Hospitals are increasingly facing demands to offer physicians working conditions that allow greater balance between family life and pursuit of career. Simultaneously, hospitals could consider this an opportunity to stand out as attractive employers.

Methods: N=120 doctors of the medical faculty and N=679 medical students in their premedical and clinical training participated online.

Results: The results of the Work-Family/Family-Work Conflict Scale (WFC/FWC) showed physicians to have a decreased work/life balance when starting to work professionally, especially with a child. Ninety percent of the respondents considered the following arrangements to be especially helpful: temporary work interruptions in an emergency, part-time positions or emergency childcare. The doctors also expressed their wish to be actively supported by their supervisors on the topic of work/life balance.

Conclusion: This analysis on work-family balance shows the need for change in the studied samples. Based on the measures that were determined to be helpful, hospitals can make conclusions about what concrete steps of action can be taken. Additionally, WFC/FWC could be used as a standardized analysis measure to assess the load imposed on physicians by family on work place and vice versa.