Zentralbl Chir
DOI: 10.1055/s-0043-104217
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der Roux-Y-Magenbypass zur Therapie der Adipositas bei Jugendlichen: Analyse des Gewichtsverlaufs und des Einflusses auf Komorbiditäten im Vergleich zu adipösen Erwachsenen

Roux-Y-Gastric Bypass for Morbid Obesity in Adolescents: Is it as Safe and Effective as in Obese Adults?Frank Benedix1, Marek Kusibab1, Daniela Adolf2, Eric Lorenz1, Stefanie Wolff1, Hans Lippert3, Thomas Manger4, Christine Stroh4
  • 1Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
  • 2StatConsult GmbH Magdeburg, Deutschland
  • 3An-Institut für Qualitätssicherung in der operativen Medizin gGmbH, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Deutschland
  • 4Klinik für Allgemein-Viszeral- und Kinderchirurgie, SRH Waldklinikum Gera, Deutschland
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Publication Date:
04 May 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Adipositas repräsentiert eines der ernsthaftesten medizinischen Probleme unserer Zeit. Neben der Zunahme der Adipositas im Erwachsenenalter zeigt sich auch bei Jugendlichen eine besorgniserregende Entwicklung. Die bariatrische Chirurgie hat sich zu einer sicheren und effektiven Therapieoption bei Adipositas im Erwachsenenalter etabliert. Bei Jugendlichen werden diese Eingriffe noch kontrovers diskutiert. Die derzeit verfügbare Evidenz bez. Sicherheit und Effektivität ist limitiert.

Material und Methoden Im Rahmen der multizentrischen Beobachtungsstudie „Qualitätssicherung in der operativen Therapie der Adipositas“ werden seit dem 01.01.2005 die Daten von Patienten, die sich in Deutschland wegen einer Adipositas einem chirurgischen Eingriff unterzogen haben, prospektiv erfasst. Für die vorliegende Studie wurden alle Patienten berücksichtigt, bei denen im Zeitraum von 01.01.2005 bis 31.12.2014 ein primärer Roux-Y-Magenbypass (RYGB) wegen einer Adipositas durchgeführt wurde.

Ergebnisse Insgesamt wurden 370 Jugendliche (≤ 21 Jahre) und 16 840 Erwachsene untersucht. Im Jahr 2014 repräsentierte der RYGB den zweithäufigsten bariatrischen Eingriff für beide Gruppen. Bei den Jugendlichen zeigte sich ein höherer initialer BMI (49,2 vs. 47,9 kg/m2, p < 0,01), der Anteil assoziierter Nebenerkrankungen war niedriger (67,8 vs. 87,4 %, p < 0,01). Die Operationsdauer (104,9 vs. 113,0 min, p < 0,01) sowie die Krankenhausverweildauer (5,2 vs. 5,9 Tage; p < 0,01) unterschieden sich signifikant zwischen beiden Gruppen. Keiner der jugendlichen Adipösen entwickelte eine Anastomoseninsuffizienz, verglichen mit einer Leckagerate von 1,6 % bei den Erwachsenen (p = 0,04). Die Mortalitätsrate betrug 0,2 % in der Gruppe der Erwachsenen. Keiner der adipösen Jugendlichen verstarb postoperativ. Der mittlere prozentuale Übergewichtsverlust (% EWL) war nach 12 (69,9 vs. 68,2 %; p = 0,97) bzw. 24 Monaten (72,6 vs. 72,1 %; p = 1,0) für beide Gruppen vergleichbar. Bei Jugendlichen mit vorbestehender arterieller Hypertonie fand sich im Vergleich zu Erwachsenen eine höhere Remissionsrate.

Schlussfolgerung Der RYGB kann bei jugendlichen Adipösen mit einer niedrigeren Morbidität und Mortalität durchgeführt werden. Trotz aller Limitierungen einer Registerstudie und der geringen Follow-up-Rate zeigt sich, dass die Ergebnisse im kurzfristigen Verlauf denen nach RYGB bei Erwachsenen mindestens vergleichbar sind. Der Fokus zukünftiger Studien muss auf der Evaluation des Langzeitverlaufs liegen.

Abstract

Background Obesity is one of the major challenges of the 21st century. There is also an increasing incidence of obesity in adolescents. Bariatric surgery has been proven safe and effective in obese adults. In adolescents, these operations are still subject to controversy. Current evidence is limited regarding its safety and outcome in this age group.

Methods Within the German Bariatric Surgery Registry, data from obese patients that underwent bariatric procedures in Germany are prospectively registered. The current analysis includes all adolescent and adult subjects that underwent primary Roux-Y-gastric bypass (RYGB) surgery from 2005 to 2014.

Results Overall, 370 adolescents (≤ 21 years) and 16,840 obese adults were enrolled. In 2014, RYGB was the second most common bariatric procedure in Germany. In the adolescent group, initial BMI was higher (49.2 vs. 47.9 kg/m2, p < 0.01); the proportion of associated comorbidities was lower (67.8 vs. 87.4 %, p < 0.01). Operation time (104.9 vs. 113.0 min, p < 0.01) and hospital stay (5.2 vs. 5.9 days; p < 0.01) differed significantly between both groups. The leakage rate in adults was 1.6 %; none of the adolescents experienced a postoperative anastomotic leak (p = 0.04). No mortalities were reported in adolescents; the mortality rate in adults was 0.2 %. The mean percentage of excess weight loss (% EWL) did not differ between both groups at 12 (69.9 vs. 68.2 %; p = 0.97) and 24 months (72.6 vs. 72.1 % p = 1.0). The remission rate for hypertension was higher in the adolescent group.

Conclusion RYGB can be performed in obese adolescents with lower morbidity and mortality. Despite all limitations of a multicentre registry and the low follow-up rate, the results show that weight change and resolution of comorbidities in the short term were at least comparable to those achieved in adults. The evaluation of safety and efficiency in the long run should now be in the focus of future studies.