Zentralbl Chir
DOI: 10.1055/s-0043-114413
Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wahrnehmung des Verteilungssystems in der Lebertransplantation aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Interessengruppen

Perception of the Liver Allocation System by Different StakeholdersChristine Englschalk, Markus Guba
  • Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Klinikum der Universität München Standort Großhadern, München
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Publication Date:
24 July 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Das Transplantationsgesetz (TPG) als Rechtsgrundlage für das Verteilungssystem in der Lebertransplantation in Deutschland wird durch Richtlinien der Bundesärztekammer (BÄK) konkretisiert. In diesen Richtlinien wird der Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft festgestellt. Das Verfahren für die Richtlinienerarbeitung ist nun formalisiert und transparent gestaltet worden.

Die Umfrage mit 502 Teilnehmern beleuchtet 4 aktuelle Aspekte des Verteilungssystems aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Interessengruppen (medizinisches Personal, Patienten auf der Warteliste Leber oder nach einer Lebertransplantation, Medizinstudenten und nicht medizinische Universitätsmitarbeiter und Studenten). Eine große Mehrheit der Befragten empfand das gegenwärtige Verteilungssystem für Spenderorgane als gerecht. Ärzten wurde ein großes Mitspracherecht hinsichtlich der Allokationsregeln eingeräumt. Die Chancen eines Patienten auf der Warteliste, rechtzeitig ein Spenderorgan zu erhalten, wurden schlechter eingeschätzt als sie tatsächlich sind. Die 6-monatige Alkoholabstinenz vor Aufnahme auf die Warteliste Leber bei alkoholbedingter Leberzirrhose stieß auf große Zustimmung bei den Befragten. Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass Vertrauen in die Ärzte bezüglich der Schaffung gerechter Allokationsregeln besteht und lassen auf eine breite Zustimmung zu dem aktuellen Verteilungssystem in der Lebertransplantation schließen.

Abstract

The German Transplant Law is the legal basis of the liver allocation system in Germany and is specified by the guidelines of the German Medical Association. These guidelines are based on current medical knowledge. The procedure of developing these guidelines was formalised and made transparent.

This survey with 502 participants examines how four current aspects of the allocation system are perceived by different stakeholders (medical staff, patients on the liver transplant list or already transplanted, medical students and non-medical university personnel and students). A great majority of respondents considered the current organ allocation system to be fair. Physicians were given a great say on allocation rules. Most respondents assessed the chances of a patient on the transplant list to receive a donor organ over time as being worse than it really was. The respondents supported six month alcohol abstinence before patients with alcohol-related liver cirrhosis are listed for liver transplantation. The findings suggest that people trust that physicians develop fair allocation rules and appreciate the current liver allocation system.