Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2017; 52(11/12): 806-813
DOI: 10.1055/s-0043-115204
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zervikale Plexusblockaden

Cervical Plexus BlocksRonald Seidel
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Publication Date:
20 November 2017 (online)

Zusammenfassung

Eine vollständige Blockade des Plexus cervicalis ist weder erwünscht noch ausreichend für eine chirurgische Anästhesie in der vorderen Halsregion. Supplementierungen durch Opioide oder topische Lokalanästhetika sind daher häufig. Die Blockade beteiligter Hirnnerven und des Truncus sympathicus verbessert möglicherweise die Anästhesiequalität, führt aber auch zu typischen Nebenwirkungen. Dieser Beitrag liefert anatomisches Hintergrundwissen und stellt Indikationen vor – auch außerhalb der Karotischirurgie.

Abstract

Blockades of the cervical plexus are established anesthesia procedures, not only in the context of operative carotid revascularizations. Recent investigations define inner sonoanatomic landmarks as well as the importance of brain nerves for innervation in the neck region. The present practice-oriented article discusses current study results, alternative techniques (ultrasound- versus landmark-guided) and fields of application (carotid desobliteration, surgery of the shoulder, ear and infraclavicular region).

Kernaussagen
  • Der Plexus cervicalis wird durch die Rr. ventrales der Spinalnerven C1–C4 gebildet.

  • Wichtige sonoanatomische Landmarken sind die Blätter der Halsfaszie, die Karotisbifurkation, die Querfortsätze C4–C7 sowie der Umschlagpunkt des N. auricularis magnus am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus.

  • Anhand der Lage des Injektionsortes in Relation zu Halsfaszien werden tiefe, intermediäre und oberflächliche Blockadetechniken unterschieden.

  • Es existiert eine Vielzahl von Anastomosen zwischen Hirnnerven, dem Truncus sympathicus und dem Plexus cervicalis. Dies erklärt bei großer interindividueller Variabilität sowohl eine gelegentlich unzureichende Anästhesiequalität als auch das Auftreten typischer blockadebedingter Nebenwirkungen.

  • Es besteht keine Evidenz für oder gegen ein bestimmtes Anästhesieverfahren bei operativen Karotis-Revaskularisationen. Lediglich für Patienten mit kontralateralem Karotisverschluss wird der Eingriff in Regionalanästhesie und Wachmonitoring empfohlen.

  • Sowohl die Häufigkeit von Komplikationen als auch die Konversionsrate zu einer Allgemeinanästhesie sind bei oberflächlichen bzw. intermediären Techniken signifikant geringer als bei tiefen Blockaden.

  • Eine intermediäre Injektionstechnik ist verlässlich nur durch eine ultraschallgesteuerte Nadelführung zu realisieren. Wesentlicher Vorteil der Sonografie ist die Vermeidung von akzidentellen Gefäßpunktionen.

  • Für beidseitige Blockaden sollte eine oberflächliche Injektionstechnik angewendet werden, da hierbei Phrenikus- oder Rekurrensparesen sicher vermieden werden.

  • Selektive Blockaden (N. auricularis magnus, Nn. supraclaviculares) einzelner Anteile des Plexus cervicalis sind für Eingriffe an Schulter, Klavikula, Ohrmuschel und in der infraklavikulären Region indiziert.