Psychother Psych Med 2019; 69(01): 20-28
DOI: 10.1055/s-0043-124442
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychosoziale Versorgung von Krebspatienten in einer Krebsberatungsstelle an einem Universitätsklinikum

Empirische Ergebnisse zu Patientenmerkmalen und VersorgungsbedürfnissenOutpatient Psychosocial Cancer Care at a University Medical CenterStudy Results Concerning Patient Characteristics and Care Needs
Antje Lehmann-Laue
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
2  Psychosoziale Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige, Universitätsklinikum Leipzig
,
Helge Danker
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
2  Psychosoziale Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige, Universitätsklinikum Leipzig
,
Katharina Schröter
2  Psychosoziale Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige, Universitätsklinikum Leipzig
,
Michael Friedrich
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
,
Anja Mehnert
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
,
Jochen Ernst
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig
› Author Affiliations
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Publication History

eingereicht 02 May 2017

akzeptiert 20 November 2017

Publication Date:
02 February 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Die psychosoziale Versorgung von Krebspatienten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hierfür bieten Krebsberatungsstellen (KBS) ein breites Spektrum an Leistungen an. Untersucht werden der Umfang und die Themen psychosozialer ambulanter Versorgung von Krebspatienten an einem Uni-Klinikum.

Methode Die vorliegenden Daten wurden in der „Psychosozialen Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige“ am Universitätsklinikum Leipzig 2014 erhoben. 469 onkologische Patienten wurden mit einem Fragebogen befragt (Altersdurchschnitt 59,8 Jahre, 67,2% weiblich, 35,8% Brustkrebs). Als Befragungsinstrumente wurden der PHQ-9, der GAD-2 sowie das Distressthermometer (DT) eingesetzt. Die Auswertung der Daten erfolgte mithilfe deskriptiv-statistischer Verfahren.

Ergebnisse 23,7% der Patienten geben eine mind. moderate Depressivität an. Patienten mit hämatologischen und Kopf-Hals- Tumoren haben im Vergleich mit Brustkrebspatientinnen eine signifikant stärkere depressive Symptomatik. Knapp 15% der versorgten Patienten leiden unter erhöhter Ängstlichkeit. Die Befragten geben auf dem DT mind. 1 bis maximal 39 Probleme an. Durchschnittlich werden von den Ratsuchenden 14 Probleme genannt, zumeist körperliche und psychische Belastungen (z. B. Fatigue, Bewegung und Mobilität, Ängste). Die Anzahl formulierter Unterstützungsbedürfnisse ist dabei niedriger als die Anzahl der genannten Probleme.

Schlussfolgerungen Die Studie weist darauf hin, dass eine gute strukturelle Vernetzung einer KBS mit einem Akut-Krankenhaus und dessen Kliniken die psychosoziale Versorgung von Krebspatienten unterstützt. Ein psychosoziales Eingangsscreening ermöglicht, Problembereiche gezielt zu differenzieren und damit den Ratsuchenden ein darauf ausgerichtetes Beratungsangebot zu unterbreiten.

Abstract

Background Psychosocial care for cancer patients has gained importance in recent years and psycho-oncological counselling centers (POCC’s) offer a wide range of services in this area. We investigated the scope and content of a POCC at a university medical center.

Methods The presented data were collected at the POCC at University Medical Center Leipzig in 2014. In total, 469 cancer patients participated (mean age 60 years, 67% female, 36% breast cancer). Psychosocial distress and psychopathology were assessed with the PHQ-9, GAD-7 and the NCCN Distress Thermometer. Descriptive statistics were analyzed.

Results 1 in 4 patients (24%) reported at least moderate levels of depressive symptoms. Patients with hematological malignancies and head and neck tumors showed stronger depressive symptoms. 15% of patients suffered from elevated levels of anxiety. The average number of reported problems on the Distress Thermometer and Problem List was 14 out of 39. Physical and psychosocial problems were most prevalent (e. g. fatigue, problems getting around, anxiety). Supportive care needs were less common than reported problems.

Conclusions We found that a close network of POCS, oncological inpatient and outpatient care can help direct patients toward psychosocial care at an early stage. Psychosocial screening enables psycho-oncologists to identify problem areas and offer tailored counselling services.

Ergänzendes Material