Gesundheitswesen 2025; 87(S 01): S29
DOI: 10.1055/s-0045-1801947
Abstracts │ BVÖGD, BZÖG, DGÖG, LGL
01.04.2025
Mortalitätsanalysen und Todesbescheinigungen
11:30 – 13:00

Mortalitätsanalysen neu gedacht – von der unikausalen Todesursache zu einem todesursächlichen Set an Erkrankungen bei demenz(assoziierten) Sterbefällen in Bayern

R Purrucker
1   Bayerisches Landesamt für Statistik, Fürth
,
A Buschner
1   Bayerisches Landesamt für Statistik, Fürth
› Institutsangaben
 

Die Todesbescheinigungen, die vom leichenschauenden Arzt bei Feststellung des Todes ausgestellt werden, bilden die Datengrundlage der Todesursachenstatistik. Bis heute basiert die Todesursachenstatistik in Deutschland auf einem unikausalen Verfahren, d.h. nur das Grundleiden wird ausgewiesen. „Unter Grundleiden versteht man a) die Krankheit oder Verletzung, die die Kausalkette der direkt zum Tode führenden Krankheitszustände auslöste, oder b) die Umstände des Unfalls oder der Gewalteinwirkung, die den tödlichen Ausgang verursachten“ (DIMDI). Seit 2020 werden in Bayern neben dem Grundleiden auch Vor-, Begleit-, und Folgeerkrankungen erfasst und stehen somit als multikausale Daten für Analysen zur Verfügung. Anders als in Deutschland findet der multikausale Ansatz im internationalen Kontext bereits seit mehr als 20 Jahren Verwendung. Der vorliegende Beitrag soll anhand des Beispiels Demenz verdeutlichen, welche zusätzlichen Informationen zu den Krankheitsverläufen und Todesumständen unter Verwendung des multikausalen Ansatzes genutzt werden können. Von Interesse wird sein, welche Muster an Komorbiditäten sich unter den Demenzsterbefällen finden lassen.

Im Rahmen dieses Beitrags werden die bayerischen Demenz-Sterbefälle der Jahre 2020 bis 2022 näher untersucht. Demenz ist bereits heute eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland, obwohl die Zahl der demenz-assoziierten Sterbefälle (an und mit Demenz verstorben) durch eine unikausale Betrachtung stark unterschätzt wird. Neben der Untersuchung der Alters- und Geschlechtsstruktur werden im vorliegenden Beitrag auch die Vor-, Begleit- und Folgeerkrankungen bei Demenzverstorbenen analysiert. Mit Hilfe der latenten Klassenanalyse (LCA) wird gezeigt, dass Demenzsterbefälle anhand ihrer Komorbiditäten in verschiedene Cluster gruppiert werden können. Neben einem älteren, oft multimorbiden Cluster existiert auch ein Cluster mit vaskulären Erkrankungen. Zudem konnten zwei Gruppen mit neurodegenerative Grunderkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson identifiziert werden, welche sich im einen Fall durch motorische Einschränkungen und körperliche Aspekte und im anderen Fall durch nahrungsbezogene Begleiterkrankungen und die damit verbundenen Folgen kennzeichnen lassen.

Der vorliegende Beitrag soll zeigen, wie die todesursachenspezifische Sterblichkeit neu gedacht werden kann, indem multikausale Todesursachendaten analysiert werden. Statt an nur einer Todesursache versterben die meisten Menschen an einem Set an Erkrankungen. Diese Krankheitsmuster gilt es zukünftig mittels mustererkennender Verfahren zu identifizieren.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
11. März 2025

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