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DOI: 10.1055/s-0045-1801966
EMIGA@ÖGDnet – Infektionsschutz und die digitale Plattform für den ÖGD
Hintergrund: Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig effiziente digitale Werkzeuge für eine erfolgreiche Überwachung und Eindämmung übertragbarer Krankheiten sind. Nicht nur in Pandemiezeiten, sondern tagtäglich kann der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) durch den Ausbau digitaler Lösungen gestärkt werden. Daher entwickelt der Bund eine bundesweit verfügbare, modulare Plattform zum „nationalweit elektronischen Transfer für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ kurz ÖGDnet. Ziel ist, die Digitalisierungsvorhaben im ÖGD zu bündeln und zu einer Harmonisierung der IT-Landschaft im ÖGD beizutragen. Als erster großer Baustein wird für den Ausbau digitaler Lösungen im Bereich Infektionsschutz die Software EMIGA (Elektronisches Melde- und Informationssystem für Gesundheitsämter) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) am Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt. EMIGA soll damit den ÖGD bei seinen Aufgaben im Infektionsschutz und Meldewesen sowie bei der Vorbereitung auf endemische und pandemische Ausnahmesituationen bestärken.
Umsetzung: Mit der Entwicklung von EMIGA soll die bisher vom RKI für den Infektionsschutz bereitgestellte Software (SurvNet@RKI) vollständig von EMIGA abgelöst und funktional erweitert werden. Neben EMIGA soll ÖGDnet um zusätzliche Plattformdienste ergänzt werden, die sowohl zentral, wie z. B. die Kollaborationsplattform Agora, als auch dezentral durch die Länder bereitgestellt werden können. Landesspezifische Anwendungen können so bei Nutzung einheitlicher Standards bundesweit zugänglich und nachnutzbar gemacht werden.
Als erstes werden in EMIGA ein Organisationsverzeichnis und ein Identitätsmanagement bereitgestellt. Perspektivisch kann das Organisationsverzeichnis erweitert und so auch in anderen Fachverfahren außerhalb des Infektionsschutzes genutzt werden. Auch das Identitätsmanagement soll von anderen Fachanwendungen nachgenutzt werden können.
Die Entwicklung der Anwendungen erfolgen unter transparenter Informationsweitergabe und enger Einbeziehung der Nutzenden von kommunalen Gesundheitsämtern, Ländern und RKI, um ÖGDnet/EMIGA bedarfsgerecht für die Nutzenden zu gestalten. Neben drei Nutzendengremien zu EMIGA auf allen drei Ebenen des ÖGD insbesondere zur Erhebung von Anforderungen haben im September 2024 die „Kooperationsprojekte IT-Zielarchitektur“ ihre Arbeit aufgenommen, die die Plattformdienste in ihrer Entwicklung, der ersten Roll-Out-Pilotierungsphase und bei der Schulungskonzeption unterstützen. Des Weiteren werden in einem ÖGD-Expertenpanel potenzielle Plattformdienst-Partnerschaften für ÖGDnet erörtert und initiiert. Der Informationstransfer zum jeweiligen Projektstatus und Ergebnissen in den gesamten ÖGD erfolgt in quartalsweise stattfindenden Informationsveranstaltungen. Beim BVÖGD-Kongress soll ein Einblick in die bereits entwickelten Inhalte gewährt und ein Austausch mit den Teilnehmenden angeregt werden.
Diskussion: Die Förderung von digitalen und interoperablen Lösungen sowie die Zusammenführung von Fachanwendungen aus den unterschiedlichsten Bereichen auf ÖGDnet hat das Potenzial, die Arbeit im ÖGD zu modernisieren und nachhaltig positiv zu beeinflussen. Dafür bedarf es eines hohen Maßes an Transparenz, Kommunikation und Priorisierung der umgesetzten Inhalte, vor allen Dingen durch regelmäßige Austausche beteiligter Stakeholder mit den Nutzenden und Interoperabilitätslösungen. EMIGA kann dafür als zentrale Plattformanwendung durch das moderne Konzept als vorangehendes Beispiel dienen, auf das sich kontinuierlich aufbauen lässt.
Publication History
Article published online:
11 March 2025
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