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DOI: 10.1055/s-0045-1801971
Wissenschaft-Praxis Kooperationen im ÖGD: Identifikation und Analyse bestehender Kooperationen im EvidenzÖGD-Projekt
Hintergrund: Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) auf kommunaler und Landesebene sind essentiell, um Wissenstransferprozesse zu fördern. Durch sie können Themenfelder der angewandten ÖGD-Forschung erschlossen werden, Maßnahmen und Interventionen besser auf spezifische Kontexte übertragen werden und die Wissenschaftsbasis der praktischen Arbeit des ÖGD gestärkt werden. Solche Kooperationen wurden bisher noch nicht strukturiert erfasst und ausgewertet. Aktuell existiert keine Übersicht, die diese Kooperationen systematisch erfasst und auch in wissenschaftlicher Literatur werden sie nicht entsprechend abgebildet. Im Rahmen des EvidenzÖGD-Projektes [1] wurden bestehende Wissenschaft-Praxis-Kooperationen im ÖGD auf kommunaler und Landesebene systematisch identifiziert und analysiert, um den Status Quo der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis zu erfassen, Themenschwerpunkte herauszuarbeiten und Forschungslücken zu identifizieren.
Methode: Zur Identifikation bestehender Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis im ÖGD wurde in Anlehnung an das Vorgehen einer systematischen Übersichtsarbeit ein Screening durchgeführt. Davon ausgehend, dass Kooperationen auf kommunaler und Landesebene in wissenschaftlichen Datenbanken unterrepräsentiert sind, wurden neben einer systematischen Literaturrecherche in den wissenschaftlichen Datenbanken PubMed und LIVIVO auch explizit Quellen für graue Literatur einbezogen. Dies geschah mittels dreiteiliger Suchstrategie, bestehend aus (1) einem systematischen Google™-Screening und (2) einem Screening aller als für den ÖGD-relevant identifizierten Kongresse, ergänzt um (3) eine Online-Umfrage zu bestehenden Kooperationen. Alle Schritte wurden mit einem umfangreichen Snowballing-Verfahren erweitert. Die eingeschlossenen Kooperationen wurden nach relevanten Parametern, wie beispielsweise Themenfeld, Kooperationsform oder beteiligten Akteur:innen, von zwei Forscher:innen kategorisiert und deskriptiv ausgewertet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden über die verschiedenen methodischen Schritte etwa 20.000 Beiträge im Zeitraum 2015 bis 2024 gescreent. Den größten Teil machte dabei das Kongressscreening mit ca. 16.500 gescreenten Beiträgen in insgesamt 78 Kongressen aus. Das Screening wird fortlaufend erweitert, indem die entsprechenden Kongresse jährlich gescreent werden. Bislang konnten 521 Kooperationen (Kooperationsformen: Netzwerke, Projekte, Forschungsarbeiten, gemeinsamen Veranstaltungen) im Zeitraum 2015 bis 2024 eingeschlossen werden. Diese Kooperationen wurden in Bezug auf die Analyseparameter Jahr der Veröffentlichung, geographische Verortung, Publikationsform, Kooperationsform, ÖGD-Ebene, beteiligte Institutionen und identifizierte Themenschwerpunkte hin kategorisiert und analysiert. Es zeigt sich, dass bereits viele Kooperationen auf kommunaler Ebene im ÖGD existierten oder noch immer existieren, aber nur wenige davon nachhaltig strukturiert sind. Seit 2015 hat die Anzahl der Kooperationen nahezu kontinuierlich zugenommen. Es lassen sich bestimmte Themenschwerpunkte bei den ÖGD-Themenbereichen Gesundheitsberichterstattung, Gesundheitsförderung/Prävention, Infektionsschutz und Kinder- und Jugendgesundheit identifizieren. Darüber hinaus zeigen sich auch einige regionale Cluster [2].
Diskussion: Die systematische und kontinuierliche Erfassung und Analyse von Kooperationen zwischen Praxis und Wissenschaft im ÖGD wurde im EvidenzÖGD-Projekt erstmals umfassend umgesetzt und seither strukturiert fortgeführt. Die gewonnen Erkenntnisse bieten einen tiefgreifenden Überblick über die bestehenden Strukturen und Themenschwerpunkte der Kooperationslandschaft zwischen Wissenschaft und Praxis im ÖGD. Die gewählte Vorgehensweise, besonders die Suche in Quellen für graue Literatur, hat sich aufgrund der hohen Trefferquote als erfolgreich erwiesen. Es zeigt sich jedoch auch, dass viele Kooperationen zwar bestehen, aber oft nicht verstetigt werden. Für zukünftige Kooperationen können Mechanismen entwickelt werden, die diese Kooperationen langfristig absichern und den Wissenstransfer auf regionaler und nationaler Ebene stärken. Das Kooperationsscreening wird fortgeführt und wird somit die Entwicklung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis in den kommenden Jahren zeigen.
Publication History
Article published online:
11 March 2025
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Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
- 1 Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen. (2023). EvidenzÖGD: Forschungsverbund Öffentliche Gesundheit: Evidenztransfer im ÖGD durch neue Kooperations- und Qualifikationswege. Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW). Online https://www.akademie-oegw.de/die-akademie/projekte/archiv/evidenzoegd (Letzter Zugriff 08.10.2024)
- 2 Bimczok S, Arnold L, Götz S, Kreffter K, Melville-Drewes A, Schäfer M, Starke D, Teichert U, Weyers S. 2022. Identifikation bestehender Kooperationsformen und Qualifizierungsmodelle zwischen der ÖGD-Praxis und der Public Health-Wissenschaft im Forschungsverbund Öffentliche Gesundheit: Ergebnisse einer systematischen Literatur- und Dokumentenanalyse. In: Gesundheitswesen. 84. 04 S. 344-345