Aktuelle Ernährungsmedizin 2004; 29(6): 329-333
DOI: 10.1055/s-2004-828514
Originalbeitrag
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ethische Aspekte der ernährungsmedizinischen Versorgung

Ethical Aspects of Nutritional CareJ.  Loss1 , C.  Eichhorn1 , E.  Nagel1
  • 1Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Universität Bayreuth
Nach einem Vortrag bei dem 22. Gemeinsamen Kongress von DGEM, AKE und GESKES, ernährung 2004, in München vom 6. - 8.6.2004
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Publication Date:
22 November 2004 (online)

Zusammenfassung

Ethische Probleme beim Einsatz künstlicher Ernährung treten primär bei unheilbar Kranken, Sterbenden und Nicht-Einwilligungsfähigen auf und damit meist im Zusammenhang mit Therapiebegrenzung. Ernährung gilt hier nicht nur als ärztliche oder pflegerische, sondern auch als menschliche Pflicht; sie gehört zur unverzichtbaren Basisverpflegung. Richtschnur für das ärztliche Handeln sind der (mutmaßliche) Wille des Patienten und die medizinische Indikation. Generell gilt bei Tumorkranken, Dementen und Sterbenden, dass Ausmaß und Art der ernährungsmedizinischen Maßnahmen intensiv mit dem Patienten und den Angehörigen abgestimmt werden müssen, da unter Umständen mögliche Schäden größer als der potenzielle Nutzen sein können. Bei Tumorkranken und Dementen steht die Lebensqualität des Patienten dabei im Mittelpunkt. Ein besonderes ethisches Problem ergibt sich bei Apallikern, da bei diesen Patienten keine Alternativen zur künstlichen Ernährung bestehen und die Beendigung der nutritiven Versorgung zum Tode führt. Die Frage nach der Menschenwürde und die Diskussion um die Sterbehilfe rücken hier in den Vordergrund. Es wird deutlich, dass sich angesichts zunehmender betriebswirtschaftlicher Orientierung der Kliniken die ethische Problematik auch im Bereich der Ernährungsmedizin verschärfen wird. Inwieweit Kosten-Nutzen-Überlegungen bei Therapieentscheidungen eine Rolle spielen dürfen, ist auf individual- und gesellschaftsethischer Ebene zu diskutieren.

Abstract

Nutritional care raises ethical issues primarily in terms of feeding terminally ill, dying or permanently unconscious patients. The provision of food and water has a powerful symbolic content and is not only a medical procedure, but a part of the ordinary care, and thus a human duty. On the other hand, one has to consider that in some cases, nutrition can be burdensome treatment. Therefore, the decision to provide or withhold artificial nutrition should rely on shared decision-making with the patient or relatives, respecting patient autonomy, for damages by artificial feeding might sometimes outweigh its benefits. Especially for patients with cancer or dementia, the quality of life is of particular value. Ethical dilemmas frequently arise in patients with permanent vegetative state, because termination of nutrition inevitably leads to the death of these patients, as there is no alternative to artificial feeding. In order to deal with this issue, profound ethical discussions about human dignity and euthanasia are essential. Economic and business management aspects gain importance in medical care and will aggravate ethical problems in doctor-patient-relationship, also in the field of nutritional care. Whether cost-benefit-analyses may play a role in decision-making concerning artificial feeding, should be subject to further ethical debates.

Literatur

Dr. Julika Loss

Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften · Universität Bayreuth

95440 Bayreuth

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