Gesundheitswesen 2004; 66 - 110
DOI: 10.1055/s-2004-833848

Betreuung von Patienten mit Alkoholabhängigkeit in Schwerpunktpraxen „Sucht“ in Mecklenburg-Vorpommern

K Röske 1, J Riedel 1, U Hapke 1, U John 1
  • 1Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin

Hintergrund: Das Modellprojekt Schwerpunktpraxen „Sucht“ untersucht die Möglichkeit der ambulanten Behandlung von suchtkranken Patienten in neun Praxen niedergelassener Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ziel, die Versorgung dieser Patienten zu verbessern, die Schwelle der Inanspruchnahme von Hilfe niedrig zu halten und eine langfristige professionelle Betreuung zu gewährleisten. Ziel: Darstellung der längsschnittlichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluierung des Modellprojektes. Methoden: N=215 Patienten konnten zu zwei Zeitpunkten im Abstand von 12 Monaten zu körperlichen und psychischen Symptomen, negativen Konsequenzen des Trinkens, Inanspruchnahme von Suchthilfen und Schwere der Abhängigkeit befragt werden. Für N=354 Patienten liegen zu beiden Zeitpunkten Fremdeinschätzungen über Trinkverhalten und Funktionsniveau durch die Ärzte vor. Vergleiche erfolgten mittels t-Test. Ergebnisse: Patienten gaben weniger körperliche und psychische Symptome; eine unveränderte Schwere der Abhängigkeit; unveränderte negative Konsequenzen des Trinkens und eine gestiegene Zufriedenheit mit der Gesundheit an; 83% nutzten mind. eine weitere Suchthilfe. Das allgemeine Funktionsniveau der Patienten war aus Arztsicht gestiegen, die Abstinenzrate erhöhte sich von 61% auf 74%. Veränderungen sind mit p<0,05 signifikant. Diskussion: Die Betreuung der Patienten mit Alkoholabhängigkeit durch Schwerpunktpraxen verbessert den Gesundheitszustand, stabilisiert bestehende Abstinenz, regt neue Abstinenzversuche und die Inanspruchnahme von Hilfen an. Die Repräsentativität ist durch die Selbstselektion zwischen den Zeitpunkten beschränkt. Schlussfolgerungen: Die Schwerpunktpraxen „Sucht“ haben einen positiven Einfluss auf Patienten mit Alkoholabhängigkeit, jedoch müssen in nachfolgenden Untersuchungen Strategien entwickelt werden, um mehr Patienten langfristig zu beobachten.