Gesundheitswesen 2004; 66 - 135
DOI: 10.1055/s-2004-833873

Rauchstatus des gleichgeschlechtlichen Elternteils hat größeren Einfluss auf das Rauchrisiko der Kinder

U Mueller 1
  • 1Institut für Medizinische Soziologie und Sozialmedizin, Universität Marburg

Hintergrund: Rauchverhalten der Eltern hat erwiesenermassen erheblichen Einfluss auf das Rauchverhalten der Kinder. Ganz überwiegend werden Mütter-Kinder-Bezüge untersucht, obwohl es genügend Hinweise gibt, dass Väter ebenfalls einen gewichtigen Einfluss haben. Es gibt weiterhin Hinweise, dass Mutter-Sohn-Bezüge anders sind als Mutter-Tochter-Bezüge. Ziel: In dieser Studie wird, bislang unüblich, Vater/Mutter Einflüsse auf Söhne/Töchter in allen möglichen Kombinationen untersucht. Methoden: Es wurde an einer Stichprobe von 1624 Medizinstudenten untersucht. Ergebnisse: Das Rauchverhalten des gleichgeschlechtlichen Elternteils hat größeren Einfluss auf das Rauchverhalten der Kinder. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Söhnen und Töchtern. Für Söhne zählt nur der Vater, während für Töchter Vater's Rauchverhalten weniger als das der Mutter, aber dennoch zählt. Bei Töchtern (nicht bei Söhnen) zählt auch der Sozialstatus der Eltern: je höher um so wichtiger der Einfluss des Vaters. Schlussfolgerungen: Da der Geschlechtsrollenerwerb maßgeblich durch den gleichgeschlechtlichen Elternteil beeinflusst wird, und sich überdies zwischen dem 3. und dem 6. Lebensjahr vollzieht, deuten unsere Befunde darauf hin, dass die lebensgeschichtlichen Grundlagen für ein erhöhtes Rauchrisiko sich fast ein ganzes Jahrzehnt vor seiner Manifestation etablieren.