Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(01): 17
DOI: 10.1055/a-0749-7719
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schwere Infektionen beim SLE: Welche Faktoren prädisponieren für Todesfälle?

Contributor(s):
Judith Lorenz
Teh CL. et al.
Severe infections in systemic lupus erythematosus: disease pattern and predictors of infection-related mortality.

Clin Rheumatol 2018;
37(8): 2081-2086 doi: 10.1007/s10067–018–4102–6
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Publication History

Publication Date:
14 February 2019 (online)

 

Infektionen stellen nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Hospitalisationen und Todesfälle von Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) dar. Wissenschaftler aus Malaysia sind der Frage nachgegangen, welche Erkrankungsmuster bei den Betroffenen dominieren und welche Faktoren bei einer schweren Infektion das Sterberisiko erhöhen.


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Sie werteten die Daten von 125 multiethnischen SLE-Patienten aus, die zwischen 2011 und 2015 in der Abteilung für Rheumatologie am Sarawak General Hospital in Malaysia aufgrund einer schweren Infektion behandelt wurden. Infektionsbedingte Todesfälle definierten die Wissenschaftler als ein Versterben des Patienten innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn bzw. vor dem Wiederherstellen der Beschwerdefreiheit. Sie analysierten demografische, klinische und laborchemische Parameter der Studienpatienten, erfassten die eingesetzten Therapieregimes und prüften, welche Organe bevorzugt betroffen und welche Erreger am häufigsten für die schweren Infektionen verantwortlich waren. Ferner untersuchten sie, welche unabhängigen Prädiktoren für infektionsbedingte Todesfälle prädisponierten. Diabetiker und Tumorpatienten waren angesichts ihres nachweislich erhöhten Sterberisikos im Rahmen von Infektionskrankheiten von der Analyse ausgeschlossen.

Ergebnisse

Das Studienkollektiv umfasste 112 Frauen (90%) sowie 13 Männer mit einem Durchschnittsalter von 33,4±14,2 Jahren und einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 68,3±75,3 Monaten. Die häufigsten SLE-Manifestationen umfassten hämatologische, renale und muskuloskelettale Symptome. Eine Hypertonie und eine Schlaganfallanamnese stellten die häufigsten Komorbiditäten dar. Die Mehrzahl der Patienten (87,7%) stand unter Behandlung mit Hydroxychloroquin bzw. oralen Kortikosteroiden (76,5%). Während des Studienzeitraums traten im Patientenkollektiv 187 Episoden schwerer Infektionen auf. In 64 Fällen wurde eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Am häufigsten betrafen die Infektionen die Lunge (37,9%), gefolgt von der Septikämie (22,5%), systemischen Virusinfekten (13,9%) sowie Harnwegs- (11,8%) und Hautinfektionen (7,4%). Eine kulturelle Erregeranzucht gelang nur in 89 Fällen: Am häufigsten wurden gramnegative Erreger isoliert (38,2%) – meist Salmonellen – gefolgt von grampositiven Keimen (22,8%) sowie opportunistischen Erregern (Herpes zoster, Mykobakterien, Candida albicans). 21 Patienten (11,2%) verstarben während des Studienzeitraums: 13 aufgrund eines durch eine Infektion komplizierten Krankheitsschubs und 8 aufgrund der Infektion allein. Mittels multivariater Analyse wurden 2 Prädiktoren für die infektionsbedingte Mortalität identifiziert: Ein Erkrankungsschub sowie eine Bakteriämie. Eine Behandlung mit Hydroxychloroquin erwies sich dagegen als protektiv.

Fazit

Schwere Infektionen bei SLE-Patienten, so das Fazit der Autoren, werden meist durch gramnegative Erreger verursacht und betreffen bevorzugt die Lunge. Ein akuter Krankheitsschub sowie eine Bakteriämie erhöhen, eine Behandlung mit Hydroxychloroquin senkt dagegen das Sterberisiko. Die immunsuppressive Medikation hat dagegen offenbar keinen Einfluss auf die infektionsbedingte Mortalität.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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