Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(01): 22
DOI: 10.1055/a-0749-7914
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gichterkrankung prädisponiert für erektile Dysfunktion

Contributor(s):
Judith Lorenz
Schlesinger N. et al.
Gout and the Risk of Incident Erectile Dysfunction: A Body Mass Index-matched Population-based Study.

Schlesinger 2018;
45(8): 1192-1197 doi: 10.3899/jrheum.170444
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Publication History

Publication Date:
14 February 2019 (online)

 

Sowohl die Hyperurikämie als auch die erektile Dysfunktion haben in der Allgemeinbevölkerung eine hohe Prävalenz. Angesichts gemeinsamer Risikofaktoren und Komorbiditäten – bspw. prädisponiert das metabolische Syndrom für beide Erkrankungen – stellt sich die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen beiden Krankheitsbildern besteht. US-Forscher beschäftigen sich seit längerem mit dieser Thematik.


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Bereits vor einigen Jahren hatten sie eine Assoziation dieser beiden Erkrankungen wissenschaftlich belegen können. Allerdings hatte das Studienkollektiv ausschließlich Patienten einer Universitäts-Rheumaklinik umfasst. Nun prüften sie an einer Kohorte aus der Allgemeinbevölkerung, wie häufig Gichtpatienten an einer erektilen Dysfunktion erkranken. Hierzu werteten sie mithilfe des britischen „Health Improvement Network“, einer von 562 allgemeinmedizinischen Praxen gepflegten elektronischen Datenbank, Informationen von 38 438 Gichtpatienten aus. Das Vergleichskollektiv bildeten 154 332 bezüglich des Alters, des Registrierdatums sowie des Bodymassindex gematchte Männer ohne Hyperurikämie. Männer mit einer vorbestehenden Sexualfunktionsstörung gingen nicht in die Analyse ein. Der Studienzeitraum umfasste die Jahre 1995–2012. Primärer Studienendpunkt war die Erstdiagnose einer erektilen Dysfunktion in beiden Studienkollektiven.

Ergebnisse

Die Auswertung der für die britische Bevölkerung repräsentativen Studienkohorten ergab: 2290 Patienten mit und 8447 ohne Gicht erkrankten im Verlauf von durchschnittlich 5 Jahren an einer erektilen Dysfunktion. Dies entsprach einer Inzidenz von 11,0 bzw. 10,5 pro 1000 Personenjahren. Bei Berücksichtigung des Nikotin- und Alkoholkonsums, der Komorbiditäten, der verschiedenen Gicht-Medikationen, des sozioökonomischen Status sowie der Häufigkeit von Hausarztkonsultationen errechnete sich für die Gichtpatienten eine Risikozunahme um 15% (Hazard Ratio 1,15; 95% KI 1,09–1,21). In der Subgruppe der urikostatisch behandelten Männer (n=27 718) war der Zusammenhang noch deutlicher (Hazard Ratio 1,31; 95% KI 1,23–1,39).

Fazit

Die Autoren schlussfolgern: Erstmals konnte anhand eines Studienkollektivs aus der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen werden, dass die Gichterkrankung einen unabhängigen Risikofaktor für eine erektile Dysfunktion darstellt. Möglicherweise, so ihre Hypothese, schädigt nicht nur die Hyperurikämie, sondern auch die chronische Inflammation die Gefäße. Zukünftige Studien müssen klären, ob sich die Sexualfunktion durch die Senkung des Harnsäurespiegels sowie antientzündliche Strategien bessern lässt.

Dr. med. Judith Lorenz, Künzell


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