Akt Rheumatol 2019; 44(05): 304-305
DOI: 10.1055/a-0955-6992
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entzündung von Handsehnen könnte rheumatoider Arthritis vorausgehen

Contributor(s):
Marisa Kurz
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Publication Date:
15 October 2019 (online)

 

    Vor Beginn einer rheumatoiden Arthritis (RA) mit Synovitis entwickeln Patienten oftmals muskuloskelettale Symptome. Eine neue Studie untersucht, ob der Entwicklung einer RA in Hochrisikopatienten mit positiven anti-cyclic citrullinated protein (CCP) Antikörpern eine Entzündung der interossären Handsehnen (ITI) vorausgeht.


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    In der Studie wurde untersucht, ob den Beschwerden (etwa Schmerzen der Hände) von anti-CCP-positiven Patienten ohne klinisch nachweisbare Synovitis womöglich eine ITI zugrunde liegt. Dazu wurden Kernspintomogramme der Hand von anti-CCP-positiven Risikopatienten mit denen von RA-Patienten verglichen. Die Aufnahmen wurden von 2 verblindeten Radiologen auf das Vorhandensein einer ITI untersucht.

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    Massive Peritendinitiden bei rheumatoider Arthritis. Quelle: Vahlensieck M, Richter M. Erkrankungen der Synovialis einschließlich chronischer Polyarthritis. In: Vahlensieck M, Reiser M, Hrsg. MRT des Bewegungsapparats. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2014.

    Die volljährigen Probanden wiesen die folgenden Charakteristika auf:

    • 93 Personen mit positiven anti-CCP Antikörpern ohne nachweisbare Synovitis (Durchschnittsalter 48,1; 69% weiblich)

    • 47 Personen mit früher RA (ohne DMARD-Therapie; Durchschnittsalter 55,6; 74% weiblich)

    • 28 Personen mit später RA (mit Symptombeginn vor über 12 Monaten; anti-CCP oder RF positiv; DAS-28 ≥ 3,2; Durchschnittsalter 51,5; 93% weiblich)

    • 20 gesunden Kontrollprobanden (Durchschnittsalter 47,9; 75% weiblich)

    Die Studie konnte zeigen, dass der Anteil von Probanden mit Entzündungen der interossären Sehnen und die Zahl der entzündeten interossären Sehnen pro Proband von der Gruppe der gesunden Probanden über die Gruppe der Risikopatienten zu den Gruppen der frühen und späten RA-Patienten kontinuierlich ansteigt.

    Während bei keinem der gesunden Probanden eine ITI diagnostiziert wurde, waren es bei den anti-CCP-positiven Risikopatienten 19%, bei frühen RA-Patienten 49% und bei späten RA-Patienten 57% der Probanden. Eine ITI lag häufiger vor, wenn die MCP-Gelenke druckscherzhaft waren, nämlich bei 28% der schmerzhaften Gelenke und 12% der nicht schmerzhaften Gelenke. Allerdings trat sie auch bei anti-CCP-negativen Patienten auf.

    Um herauszufinden, ob die interossären Sehnenentzündung Tendosynovitiden entsprechen, wurden außerdem Präparate von Körperspendern untersucht. Ultraschalluntersuchungen nach Kontrastmittelinjektion sowie histologische Untersuchungen zeigten jedoch, dass die von ITI betroffenen Sehen keine Sehnenscheiden tragen und keine direkte Verbindung zwischen den interossären Sehnen und den Gelenkkapseln besteht. Demnach, so folgern die Wissenschaftler, handelt es sich bei den Entzündungen um nichtsynoviale, extrakapsuläre Periendonitiden.

    Fazit

    Bei anti-CCP-positiven Patienten kann sich schon vor der Manifestation der RA eine Entzündung der interossären Handsehnen zeigen. Histologisch handelt es sich dabei um eine extrakapsuläre, nichtsynoviale Periendonitis. Mit Progress der Krankheit nimmt die Entzündung der interossären Handsehnen auch unabhängig vom anti-CCP-Status zu. Die Bedeutung der Autoantikörper bei der Pathogenese, so folgern die Autoren, müssen in weiteren Studien geklärt werden.

    Marisa Kurz M. Sc. B. A., München


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    Massive Peritendinitiden bei rheumatoider Arthritis. Quelle: Vahlensieck M, Richter M. Erkrankungen der Synovialis einschließlich chronischer Polyarthritis. In: Vahlensieck M, Reiser M, Hrsg. MRT des Bewegungsapparats. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2014.