Zusammenfassung
Hintergrund:
Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) stellen einen wesentlichen Baustein
der Leistungen dar, Menschen mit Behinderungen aufgrund chronischer Erkrankungen wieder
in den Arbeitsprozess zu reintegrieren. Beruflichen Bildungsleistungen kommt hierbei
eine besondere Bedeutung zu. Der Erfolg beruflicher Bildungsleistungen, dokumentiert
über das Return to Work (RTW) im Anschluss, ist allerdings nur bedingt auf die Qualität
derselben zurückzuführen. Neben methodischen Einflüssen werden teilnehmerbezogene
wie auch kontextbezogene Merkmale als Einflussfaktoren diskutiert. Diese prädiktiven
Merkmale zu kennen ist eine notwendige Bedingung, um eine valide vergleichende Einschätzung
der Maßnahmequalität vornehmen zu können.
Methoden:
Eine strukturierte Literaturrecherche wurde durchgeführt. Einbezogen wurden alle Studien,
die folgenden Kriterien genügten: Veröffentlichung 2006–2011, Bezugsrahmen: deutsches
Rehabilitationssystem und berufliche Bildungsleistungen, multivariate Analyse der
Einflussfaktoren auf RTW. Die Evidenz des Einflusses eines Prädiktors wurde so bewertet,
dass starke Evidenz für oder gegen einen Einfluss dann angenommen wurde, wenn > 75%
der Modelle, moderate Evidenz hingegen, wenn > 50% der Modelle einen signifikanten
Effekt berichteten oder diesen explizit ausschlossen. Alle Prädiktoren, die in mehr
als 2 Studien Berücksichtigung fanden, wurden eingeschlossen.
Ergebnisse:
Einbezogen wurden 15 Veröffentlichungen aus 6 Studien. Da z. T. nach Maßnahmearten
differenzierte Modelle geschätzt wurden, beruht die Evidenzbewertung auf 9 Schätzmodellen.
Für das Einkommen vor der Maßnahme, die subjektive Gesundheit sowie das reguläre Maßnahmeende
kann mit starker Evidenz ein Effekt auf RTW nach beruflichen Bildungsleistungen angenommen
werden. Das Alter und der Zielberuf besitzen mit moderater Evidenz einen prädiktiven
Wert für das RTW. Für den Erwerbsstatus und die berufliche Stellung bei Antragstellung
kann mit starker Evidenz kein Effekt auf RTW nach beruflichen Bildungsleistungen angenommen
werden. Das Geschlecht, die Bildung sowie die Kontrollüberzeugung besitzen mit moderater
Evidenz keinen Einfluss auf das RTW. Unklare Evidenzlage herrscht aktuell hinsichtlich
des Arbeitsmarktes, der Maßnahmeart, der sozialen Unterstützung sowie der Mobilität.
Fazit:
Die Übersichtsarbeit liefert erstmals strukturierte Befunde zu den relevanten Einflussfaktoren
auf RTW nach beruflichen Bildungsleistungen. Die Erkenntnisse können einerseits dazu
dienen, die Maßnahmen noch besser auf bestimmte personale bzw. externe Merkmale abzustimmen.
Andererseits sollte dies nicht über die noch immer dürftige Befundlage hinwegtäuschen.
Es fehlt insbesondere an Studien, die bisherige Erkenntnisse abzusichern helfen bzw.
identifizierte Unklarheiten in der Evidenzlage klären könnten.
Abstract
Background:
Vocational Rehabilitation (VR) is an essential element of interventions aimed at re-integrating
people with work disability into work. In this context, vocational retraining is of
special importance. However, the success of vocational retraining, represented by
subsequent returning to work (RTW), is only to a limited extent attributable to intervention
quality. Apart from methodical influences participant-related as well as context-related
attributes are discussed as influencing factors. To know these RTW predictors is a
necessary condition for a valid comparative evaluation of intervention quality.
Methods:
A structured literature search was conducted. All studies meeting the following criteria
were included: publication between 2006 and 2011; context: German rehabilitation system
and vocational retraining; multivariate analysis of RTW predictors. The evidence for
or against the influence of a predictor was rated as strong if more than 75% of the
models, and moderate if more than 50% of the models reported or excluded a significant
relationship between predictor and RTW. All predictors included in more than 2 studies
were considered in this review.
Results:
15 publications from 6 studies were included in the analysis. Due to differentiation
of the models between different types of retraining the evidence was based on 9 prediction
models. Strong evidence of an effect on RTW can be assumed for income before admission,
subjective health rating and regular completion of retraining. There is moderate evidence
for an effect of age and target job. Strong evidence against an effect on RTW is found
for employment and occupational status before admission. There is moderate evidence
against an RTW effect of sex, education and locus of control. Ambiguous evidence is
obtained for the local job market, the type of retraining, social support and mobility.
Conclusions:
For the first time the review provides findings on the relevant influence factors
of RTW following vocational retraining. These findings on the one hand could lead
to an advance of intervention quality due to consideration of special personal and/or
environmental factors. On the other hand there still remains an undeniable lack of
information in this field. There is a special need for studies capable of confirming
previous findings or of clarifying known uncertainties in the available evidence.
Schlüsselwörter
Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) - berufliche Bildungsleistungen - Return
to Work (RTW) - Review - Prädiktoren
Key words
vocational rehabilitation - vocational retraining - return to work (RTW) - review
- predictors