Sprache Stimme Gehör 2015; 39(03): 156
DOI: 10.1055/s-0041-100873
Patienteninformation
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kommunikation mit Partnern nach Cochlea Implantat

Patienteninformation
Further Information

Publication History

Publication Date:
25 September 2015 (online)

 

Die Bedeutung gelingender Kommunikation

Durch die veränderte Hörempfindung einer CI-tragenden Person werden Sprachlaute, Wortbetonungen oder die Satzmelodie, in geringerem Ausmaß gehört, so dass Gesprächsinformationen erschwert wahrgenommen werden. Eine erschwerte Kommunikation kann weitreichende Folgen haben und zu Resignation, Rückzug und sozialer Isolierung führen. Demgegenüber hat eine gelingende Kommunikation groβen positiven Einfluss auf das Leben mit der Hörbeeinträchtigung.


#

Wie kann der Partner unterstützen?

Angemessenes Sprechverhalten

„Klar“ zu sprechen heißt nicht automatisch, lauter zu sprechen. Eine deutlich zu verstehende Sprache wird am besten durch ein langsameres Sprechtempo erzielt. Langsameres Sprechen bewirkt eine bewusste und klare Aussprache. Gleichzeitig sollte nicht „überartikuliert“ werden. Eine Überartikulation bewirkt eine Verzerrung des Gesprochenen und kann sogar zu erschwertem Verstehen führen. Hilfreich ist das Setzen von Pausen nach wichtigen Wörtern oder am Satzende. Betonungen können durch leichtes Anheben der Stimmlage unterstützt werden.


#

Blickkontakt sicherstellen und Mundbild nicht verdecken

Personen mit CI erhalten wichtige Zusatzinformationen durch die Beobachtung von Gesicht, Sprechbewegungen und Mimik. Es ist wichtig, den Blickkontakt zu halten und das Gesicht nicht zu verdecken. Sprechen mit Essen im Mund und blendendes Licht sollten vermieden werden. Glänzende Gegenstände wie Spiegel und weiße Tischoberflächen können blenden und störend wirken. Sie schränken das Erkennen des Gesichtes ein. Optimal ist, wenn die Person mit CI die Lichtquelle im Rücken hat, um das Gesicht des Gesprächspartners gut erkennen zu können.


#

Einfühlungsvermögen

Die Gesprächspartner sollten sich der schwierigen Aufgabe bewusst sein, Sprache mit herabgesetztem Hörvermögen zu erfassen. Es kostet mehr Anstrengung und Konzentration, Gespräche zu führen, da ein ständiger Prozess des Ergänzens von fehlenden Hörinformationen ausgeglichen werden muss. Geduld und Verständnis sind daher eine wichtige Unterstützung, um Stress und Angst zu vermeiden.


#

Gestalten sprachlicher Äußerungen

Präzise Informationen ohne Unklarheiten oder Doppeldeutigkeiten helfen, um nicht zu verwirren oder unnötige Konzentration abzuverlangen. Im Gesprächsverlauf sollte aufmerksam verfolgt werden, ob das gesagte verstanden wurde.


#

Gesprächsabbrüche

Wird der Gesprächsverlauf unterbrochen oder entsteht eine Missverstehens-Situation, so kann man verschiedene Reparaturstrategien verwenden:

  • Umformulieren des Gesagten,

  • Hervorheben von Schlüsselwörtern,

  • Verkürzen einer Aussage,

  • Unterstützen durch Gestik oder

  • Aufschreiben von Informationen, z. B. eines vereinbarten Termins.

Der Beginn des Sprechens kann durch ein vereinbartes Zeichen angekündigt werden, wie z. B. durch Anheben des Zeigefingers.


#

Erschwerte Gesprächssituationen

Erschwerte Kommunikationsumgebungen sind Situationen in geräuschvoller Umgebung (z. B. Bus, Geschäfte, Feier, Restaurant). Um Gespräche in solchen Situationen zu unterstützen, kann z. B. ein Restaurant im Vorfeld anhand von Merkmalen zur Raumakustik und zum Störschall ausgewählt werden. Bedeutsam sind:

  • Lautstärke der Musik,

  • offene Küche,

  • Gebläse oder

  • schallschluckende Stoffe.

Empfehlenswert ist es, entfernt von der Tür, mit guter Sicht auf alle Gesprächsteilnehmer, zu sitzen. In Gruppengesprächen kann eine Person als Stichwortgeber vereinbart werden. Dieser weist auf Sprecher- und Themenwechsel hin, so dass der Einstieg in eine Äußerung und das Verstehen des Gesprächsverlaufs unterstützt werden.

Fazit

Ein Gespräch wird von allen beteiligten Personen gestaltet. Somit leisten Kommunikationspartner einen wichtigen Beitrag für das Gelingen von Gesprächen. Wichtig sind eine unterstützende, verständnisvolle Grundeinstellung gegenüber der Lebenssituation mit CI und gleichzeitig das Wissen, worin die positive Unterstützung liegen kann. Grundlegend ist der Austausch zwischen den Kommunikationspartnern, wie die Hilfen erlebt und gewünscht werden.

Sybille Seybold, Oldenburg


#
#
#