Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2016; 51(01): 56-67
DOI: 10.1055/s-0041-101756
Fachwissen
Schmerztherapie: Topthema
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Qualität der Schmerztherapie in Deutschland – Multimodale Schmerztherapie: Struktur und Qualität*

*In Anlehnung an die Ergebnisse eines mehrstufigen Konsensus-Prozesses der Ad-hoc-Kommission „Multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie“ der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.Multimodal pain therapy in Germany: structure and quality**In following position paper of a multilevel and interdisciplinary consensus of the ad-hoc-commission on multimodal interdisciplinary pain management of the German Pain Society
Hans-Raimund Casser
,
Bernd Nagel
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Publication Date:
09 February 2016 (online)

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Zusammenfassung

Zusammenfassung

Multimodale Schmerztherapie (MMST) ist eine umfassende Behandlung komplexer Schmerzsyndrome unter Einbindung verschiedener medizinischer Disziplinen und Berufsgruppen auf der Basis eines biopsychosozialen Modells der Schmerzentwicklung.

Eine medizinische Indikation besteht bei Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzsyndromen, aber auch bei erhöhten Chronifizierungsrisiko mit dem Ziel, den Chronifizierungsprozess aufzuhalten. Die MMST wurde für das tagesklinische und das stationäre Behandlungssetting in die Prozeduren katalogmedizinischer Leistungen (OPS) aufgenommen. Infolge von Unklarheiten in der Versorgungspraxis bezüglich der Durchführung der MMST hat die Adhoc-Kommission Multimodale Schmerztherapie in einem mehrstufigen Konsensus-Prozess ein Positionspapier erarbeitet. Darüber hinaus wurde eine von der Deutschen Schmerzgesellschaft initiierte Kerndokumentation (KEDOQ-Schmerz) zur Qualitätssicherung als Datenbasis für eine überregionale, sektoren- und einrichtungsübergreifende und unabhängige Auswertungsmöglichkeit zur Versorgungsforschung entwickelt. In Zukunft wird KEDOQ-Schmerz als externe Qualitätssicherung für die spezialisierte Therapie chronischer Schmerzen in Deutschland eingesetzt.

Abstract

Multimodal Pain Management is a comprehensive treatment of complex chronic pain syndromes. In addition to medical therapy various other specialized therapeutical interventions based on the biopsychosocial model of pain origin and chronic pain development are added.

Medical indications are given for patients with chronic pain syndromes, but also if there is an elevated risk of chronic pain in the early stadium of the disease and aiming at delaying the process of chronification. Multimodal pain management has been included in the official catalogue of the recognized medical procedure for day clinic units as well as for inpatients pain management. As there is still a lack of clarity and of consistency about the implementation of multimodal pain management the ad-hoc-Kommission on multimodal interdisciplinary pain management of the German Pain Society has proposed a position paper that has been worked out in a multilevel and interdisciplinary consensus process. Moreover a basic tool for documentation and quality management of pain therapy was developed by the German Pain Society (KEDOQ-Schmerz) as the data basis for nationwide, cross-sectional and independent scientific research in health services in Germany. In future KEDOQ-Schmerz will also used as a method for external quality management in chronic pain therapy in Germany.

Kernaussagen

  • Die multimodale Schmerztherapie (MMST) ist die evidenzbasierte Behandlungsform für den chronischen Schmerz.

  • Ihre Indikation sollte anhand eines interdisziplinären Assessments möglichst frühzeitig überprüft werden, insbesondere wenn Chronifizierungsfaktoren bestehen.

  • Die Einhaltung der Kriterien der Abrechenbarkeit im DRG-System (z. B. OPS 8–918) bedeutet noch keinen Behandlungserfolg, wenn nicht die hier aufgezeigten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen berücksichtigt werden.

  • Auch wenn sich die umfangreichen Erfahrungen auf den chronischen Rückenschmerz konzentrieren, so ist die MMST beim chronischen Schulter-Nackenschmerz, beim chronischen Kopfschmerz, der Fibromyalgie, allgemein beim chronischen muskuloskelettalen Schmerz und bei rheumatischen Erkrankungen ebenfalls belegt.

  • Allerdings bestehen noch uneinheitliche Vorstellungen zur Auswahl der Patienten, der Intensität und Ausgestaltung der Programme und auch zum Zeitpunkt der Intervention. Hierzu sind weitere Forschungsanstrengungen erforderlich [58] zu Fragen wie:

    • Welche Therapiemaßnahmen, Einzel- und / oder Gruppentherapie, sind für bestimmte Schmerzsyndrome vorzugsweise empfehlenswert?

    • Sind indikationsspezifische oder indikationsübergreifende Gruppen sinnvoll?

    • Unter welchen Umständen sind inverventionelle Maßnahmen (Injektionen, Manualmedizin) indiziert und wann?

    • Brauchen wir unterschiedliche Programme in Abhängigkeit vom Alter der Betroffenen [41]?

    • Welche ambulanten Programme gegenüber (teil-)stationären Prozeduren sind sinnvoll und wie intensiv bzw. kompakt sollten sie angeboten werden?

  • Grundlage für die weitere Entwicklung der MMST, aber auch allgemein zur Qualitätssicherung in der spezialisierten Schmerztherapie dürfte das Qualitätssicherungsprojekt KEDOQ-Schmerz werden.

Ergänzendes Material