neuroreha 2018; 10(01): 7
DOI: 10.1055/s-0044-101004
Gelesen und kommentiert
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Musiktherapie kann helfen, Depressionen zu lindern

Jan Mehrholz
Further Information

Publication History

Publication Date:
16 March 2018 (online)

Zusammenfassung der Studie

Ziele

Ziel der Studie war es, die Effekte einer Musiktherapie im Vergleich zu anderen Behandlungsansätzen bzw. zu verschiedenen Arten der Musiktherapie bei Patienten mit Depressionen zu evaluieren.


#

Methodik

Design Systematische Übersichtsarbeit (Cochrane Review) mit Metaanalyse über randomisierte und kontrollierte Studien.Ein- und Ausschlusskriterien Zwei Autoren schlossen unabhängig voneinander randomisierte und kontrollierte klinische Studien ein, die Musiktherapie versus andere Therapieansätze, wie z. B. Psychotherapie zur Behandlung von Patienten mit Depressionen, untersuchten.Messungen Zielvariablen waren die sowohl patientenseitig als auch fremdeingeschätzten depressiven Symptome innerhalb von drei Monaten, Nebenwirkungen, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität.


#

Ergebnisse

Insgesamt wurden neun Studien mit insgesamt 421 Personen verschiedener Altersgruppen (Heranwachsende bis alte Menschen) eingeschlossen. Die Studien untersuchten v. a. Soforteffekte der Musiktherapie. Die Autoren fanden mit moderater Qualität der Evidenz große Effekte zugunsten einer zusätzlichen Musiktherapie hinsichtlich der Verbesserung klinisch eingeschätzter depressiver Symptome (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD = –0,98; 95 % Konfidenzintervall, KI: –1,69 … –0,27; 4 Studien, n = 219) und patientenseitig eingeschätzter depressiver Symptome (SMD = –0,85; 95 % KI: –13, 7 … –0,34; 4 Studien, n = 142). Zusätzlich}e Musiktherapie hatte keine nennbare Nebenwirkungen.

Zusätzliche Musiktherapie verbesserte zwar Angstzustände und die Funktion, aber nicht die Lebensqualität der Patienten. Die Analyse zeigte kein klares Ergebnis hinsichtlich der Effekte einer Musiktherapie im Vergleich zur Psychotherapie in Bezug auf klinisch eingeschätzte Depressionen (SMD = –0,78; 95 % KI: –2,36 … 0,81; 1 Studie, n = 11) und patientenseitig eingeschätzte depressive Symptome (SMD = –1,28; 95 % KI: –3,75 … 1,02; 4 Studien, n = 131), Lebensqualität (SMD = –1,31; 95 % KI: –0,36 … 2,99; 1 Studie, n = 11).

Die Autoren fanden keinen Hinweis, ob eine Musiktherapie besser ist als eine Musiktherapie, um klinisch eingeschätzte depressive Symptome (SMD = –0,52; 95 % KI: –1,87 … 0,83; 1 Studie, n = 9) bzw. patientenseitig eingeschätzte depressive Symptome zu lindern (SMD = –0,01; 95 % KI: –1,33 … 1,30; 1 Studie, n = 9) bzw. die Lebensqualität zu verbessern (SMD = –0,24; 95 % KI –1,57 … 1,08; 1 Studie, n = 9).


#

Schlussfolgerung

Die Autoren schlussfolgern, dass eine zusätzliche Musiktherapie kurzfristig hilft, depressive Symptome zu lindern. Darüber hinaus scheint Musiktherapie Ängstlichkeit von Patienten mit depressiven Symptomen zu verringern und die Funktionsfähigkeit zu verbessern. Die Autoren empfehlen, dass zukünftige Studien Kinder und Jugendliche mit großer Patientenzahl untersuchen sollten. Ebenfalls empfehlen sie, die Mechanismen der Musiktherapie zur Linderung von depressiven Symptomen besser zu erforschen und dabei die Musiktherapie selbst exakter zu beschreiben.


#