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DOI: 10.1055/s-0044-1781859
J.I.Ma: Potential zur Prävention von sexuell übertragbaren und impfpräventablen Infektionen in der offenen Jugendarbeit in Mannheim
Hintergrund: Die vorliegende Studie ist Teilprojekt eines BMG-geförderten Forschungsverbundes zur Zusammenarbeit von Forschung und Gesundheitsämtern zu Themen des Infektionsschutzes (I.N.Ge). Sexuell übertragbare Infektionen (STI) und impfpräventable Infektionen (IPI) sind die im Infektionsschutz für Jugendliche wesentlichen Themen. Die KiGGs-Studie des Robert Koch Institut (RKI) berichtet unzureichende Impfraten bei Jugendlichen für Humanes Papillomavirus (HPV), Pertussis und Tetanus. Studien weisen bei deutschen Jugendlichen auf Defizite beim Wissen zu STI hin. Einrichtungen der offenen Jugendarbeit wurden bislang kaum als Multiplikationsorte für Aufklärung über STI und IPI erforscht. Die Freiwilligkeit der Inanspruchnahme von Angeboten der offenen Jugendarbeit stellt eine Herausforderung für den direkten Zugang zu Jugendlichen dar. Gleichwohl bestehen hier häufig Vertrauensverhältnisse zwischen Jugendlichen und pädagogischem Personal.
Ziele: Ziele der Studie sind, Wissen und Haltung und Umgang zu STI und IPI bei Mitarbeitenden in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) zu erheben, deren Veränderung im zeitlichen Zusammenhang mit einer kommunal angebotenen sexualpädagogischen Multiplikator*innen-Schulung zu erfassen und ein kommunales Konzept zur Verstetigung der Aufklärung von Jugendlichen zu STI und IPI zu entwickeln.
Methoden: Vor (T1) einer sexualpädagogischen Multiplikator*innen-Schulung mit Schwerpunkt auf STI und IPI, sowie kurzfristig (T2) bzw. 12 Monaten (T3) danach wurden Mitarbeitende der OKJA mittels quantitativ-qualitativem Fragebogen und in qualitativen Interviews zu Wissen und Haltung zu STI und IPI, zum Umgang mit diesen Themen in der pädagogischen Arbeit und den Erwartungen an eine Schulung befragt. Die Auswertung der Fragebögen erfolgte deskriptiv qualitativ-quantitativ, die der qualitativen Interviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse in Anlehnung an Kuckartz. Die Ergebnisse werden Studienteilnehmenden zurückgespiegelt und ein Konzept zur Verstetigung der Themen STI und IPI in der OKJA in Mannheim erarbeitet.
Bisherige Ergebnisse: An der quantitative Fragebogenerhebung T1 nahmen 29% (40 von 140) der Mitarbeitenden der OKJA in Mannheim teil. Für die T1-Interviews konnten fünf Personen gewonnen werden.
Auf einer Skala von minimal null bis maximal fünf wurde die Aussage „Sexuell übertragbare Infektionen sind ein Thema, das in der offenen Jugendarbeit angesprochen werden sollte“ im Mittelwert Durchschnitt mit 4,2 bewertet. Die Aussage „Ich fühle mich verantwortlich, mit Jugendlichen über das Thema Verhütung von sexuell übertragbaren Infektionen zu sprechen“ wurde im Durchschnitt mit 3,3 bewertet. 83% (33 von 40) gaben an, dass in ihrer Einrichtung keine Informationsplakate zu STI aushängen, 65% (26 von 40), dass keine Broschüren oder Flyer ausliegen, und 90% (35 von 39), keine konkreten Angebote zum Thema Sexualität oder STI zu machen. Aus den qualitativen Interviews geht hervor, dass das Thema STI sowohl von Jugendlichen als auch von Multiplikator*innen nur sehr selten angesprochen wird. Jugendliche, deren Elternhaus dem Thema STI nicht aufgeschlossen gegenüber ist, sind im Rahmen der OKJA nach Einschätzung der Befragten zum Thema STI schwer zu erreichen. Darüber hinaus wird der gemischtgeschlechtliche Rahmen der offenen Jugendarbeit als Hemmnis für die Ansprache des Themas STI gewertet.
Auf einer Skala von null bis fünf wurde die Aussage „Jugendliche sollten über das Impfen aufgeklärt werden“ im Durchschnitt mit 4,6 bewertet. Die Aussage „Impfen ist ein Thema, das in der offenen Jugendarbeit angesprochen werden sollte“ wurde im Durchschnitt mit 3,6 bewertet. 95% (36 von 38) gaben an, dass in ihrer Einrichtung kein Informationsmaterial zu IPI vorhanden ist. Keiner gab an, konkrete Angebote zu IPI zu machen. Die Befragten wünschen sich, für die Jugendlichen leicht verständliches Informationsmaterial.
Fazit: Die bisherigen Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass eine Aufklärung zu den Themen STI und IPI in der offenen Kinder- und Jugendarbeit von den dort Mitarbeitenden als wichtig erachtet wird, sie sich jedoch fachlich und strukturell nicht ausreichend in der Lage sehen, diese Themen umzusetzen. Aus diesem Grund erscheint die Verstetigung und Stärkung der Aufklärung über STI und IPI in der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Mannheim als sinnvoll.
Publication History
Article published online:
10 April 2024
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Georg Thieme Verlag
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