Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden gesetzlich und privat versicherte Personen in ihrem Gesundheitszustand
und ihrem Gesundheitsverhalten vergleichen. Dieses Thema ist in der Public-Health-Forschung
bisher weitgehend vernachlässigt worden. Die Datengrundlage der Analyse sind deutsche
Studienteilnehmer des Bundesgesundheitssurveys 1998 (n = 6822). Die multivariaten
Analysen wurden mithilfe der multivariaten OLS und logistischen Regression durchgeführt.
Die Berechnungen erfolgen separat für das Geschlecht und bei Kontrolle der Variablen
Alter, Bildung, Einkommen und Wohnort. Als zentrales Ergebnis kann Folgendes berichtet
werden: Privat versicherte Männer weisen weniger Krankheiten auf und fühlen sich auch
gesünder als gesetzlich versicherte Männer. Bei den Frauen ist dagegen kein signifikanter
Zusammenhang zwischen der Art der Krankenversicherung (d. h. GKV oder PKV) und ihrem
Gesundheitszustand vorhanden. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse wird vor allem
auf die „Selektionshypothese” zurückgegriffen. Sie besagt, dass gesündere Personen
eher privat versichert und kränkere Personen eher gesetzlich versichert werden. Demnach
wäre davon auszugehen, dass ein möglicher Effekt der Privatversicherung auf eine bessere
Gesunderhaltung („Kausationshypothese”) nur von untergeordneter Bedeutung ist. In
Anbetracht der gegenwärtigen Diskussion über die Grenzziehung zwischen GKV- und PKV-Versicherung
sollte den hier angesprochenen Themen größere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Abstract
This paper deals with differences in health and health behaviour between those who
are insured in the German Statutory Sickness Funds (GKV) and those who are privately
insured (PKV). This topic has been largely ignored in German Public Health research.
The analyses are based on data from a large survey in Germany conducted in 1998 and
including 6822 adults. The multivariate analyses have been performed with OLS and
logistic regression, separately for men and women and controlling for age, educational
level, income and region. The most important result is that PKV-insured men have fewer
diseases and feel more healthy than GKV-insured men. For women, though, no significant
association could be found between health and type of health insurance. The interpretation
of these results is mainly based on the “selection hypothesis”, stating that healthier
persons are more likely to be insured in the PKV than in the GKV. This would imply
that the “causation hypothesis” (stating that being privately insured has a positive
effect on health) is less important. Taking into account the current discussion on
the balance between GKV and PKV, it is believed that future research should focus
more on these topics.
Schlüsselwörter
GKV - PKV - Gesundheitszustand - Gesundheitsverhalten
Key words
Statutory Sickness Fund - private health insurance - health - health behaviour
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Dipl.-Soz. Peter Kriwy
Institut für Soziologie, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Westring 400
24098 Kiel
Email: pkriwy@soziologie.uni-kiel.de