Laryngorhinootologie 2019; 98(06): 379-380
DOI: 10.1055/a-0834-2159
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kommentar der Schriftleitung

Editor’s Comment
Andreas Dietz
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Publication History

Publication Date:
05 June 2019 (online)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich, Ihnen das Juni-Heft der LRO präsentieren zu dürfen. Diese Ausgabe stellt eine geradezu ideale Vorbereitungslektüre für die anstehenden Urlaubstage dar und bietet eine gute Mischung aus aktuellen relevanten Themen sowie Vertiefung von gewachsenem Wissen in unserem schönen Fach.

Den Einstieg bietet die Diskussion einer sehr interessanten Arbeit im „Laryngoscope“ zum Thema „Patient decision aids“ [1]. Dieses neue Tool, welches in Form von sehr anschaulichen Erörterungen die Entscheidungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Kehlkopfkrebs darlegt, stellt sich als hilfreiche Ergänzung dar. Im zunehmenden Cyber-Zeitalter, welches sich durch immer mehr Informationen im Netz für interessierte Patienten auszeichnet, sind solche kontrollierten und am besten mit autorisiertem Hintergrund vertretenen Internet-Tools sicher zweifelsohne als Bereicherung zu werten. Kollege Sommer weist in seinem kritischen Kommentar mit Recht daraufhin, dass natürlich solche Tools das umfangreiche persönliche Arzt-Patienten-Gespräch nicht ersetzen können. Andererseits gibt es die Möglichkeit für Patienten und Angehörige in Ruhe Texte zu studieren, die dann im Arzt-Patientengespräch vertieft werden können. Machen wir uns nichts vor, wir alle wissen, dass ein Patient im Vorfeld einer solch gravierend einschneidenden Behandlung bei einer hoch verängstigenden Krebsdiagnose, insbesondere im Gespräch, nur Bruchteile dessen mitbekommt, was der Arzt glaubt transportiert zu haben. Ein weiterer Artikel zur totalen Glossektomie bei fortgeschrittenen Tumorstadien wird von Kollegen Remmert diskutiert [2]. Tatsächlich gibt es mittlerweile, insbesondere von Remmert vorgelegte, sehr suffiziente Rekonstruktionsverfahren der kompletten Zunge, die tatsächlich in darauf spezialisierten und geübten Einrichtungen empfohlen werden können [3].

Kollege Nawka befasst sich mit dem seltenen Phänomen der Aryüberkreuzung und gibt Möglichkeiten der Therapie an [4], [5]. Die von Armin Steffen mit einer Gruppe von insgesamt 22 Autoren vorgelegte Darstellung der S2K-Leitlinie Hypersalivation wird in der Rubrik Übersichten ausgeführt [6]. Lukas Uebelacker aus der Würzburger Klinik stellt als Originalarbeit Untersuchungen zur in-vitro-Exposition des Shisha-Tabak-Bestandteils Glycerin an humanen Mukosazellen und Lymphozyten vor [7]. Im Rahmen dieser Untersuchung konnten zyto- und genotoxische Effekte in sehr hohen Konzentrationen von Glycerin dargestellt werden. Natürlich sind die Autoren in ihren Schlussfolgerungen sehr vorsichtig, da es sich bei Genotoxizitäten um stochastische Risiken handelt und weitere Untersuchungen, insbesondere beim Menschen, durchzuführen sind.

Constantin Maximilian Weber und Kollegen aus Hannover stellen Untersuchungen zum neuartigen Propel-Mini-Stent zur Verfügung [8]. Tatsächlich ist dieses sehr interessante neue Verfahren bei heterogener Studienlage nicht unumstritten. Die ersten Schlussfolgerungen der Autoren sind jedoch sehr positiv, sowohl bezüglich der guten Akzeptanz bei den Patienten sowie einer vollständigen Stent-Degradation und in der ersten klinische Follow-Up-Betrachtung nach 6 Monaten guten klinischen Besserung.

Aus der Phoniatrie wird von Koch et al. eine interessante Originalarbeit zu Erfahrungen mit einem Fragebogeninstrument bei Auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung vorgelegt [9]. Die Autoren betonen den Vorteil für eine standardisierte Symptomerhebung in der klinischen Routine, um auch feststellen zu können, ob ein auffälliges auditives Verhalten nur in einer oder in zwei bzw. mehreren Umgebungen auffällt.

In der Rubrik „Der interessante Fall“ wird das Grisel-Syndrom als Komplikation der Schilddrüsenchirurgie von Stapel und Ellis (MDK Niedersachsen/Hannover) vorgestellt [10], [11]. In dem Artikel wird insbesondere ein Unterschreiten des medizinischen Standards diskutiert, der aufgrund der hier als postoperativ entzündlicher Prozess eingruppierten Ursache verneint werden kann.

Von Herrn Wienke wird in der Rubrik „Gutachten und Recht“ eine Abhandlung zum Thema „Studierende im praktischen Jahr“ vorgelegt: Wer ist verantwortlich wenn Medizinstudenten Fehler machen [12]? Hier wird nochmal sehr eindeutig klargestellt, dass Medizinstudenten lediglich in einem engen Handlungskorridor selbstständig arbeiten dürfen und das Aufsichtsmoment klar definiert ist. Tatsächlich ergibt sich ein erhöhtes Haftungsrisiko für alle Beteiligten beim alleinigen Einsatz von PJ’lern. Insbesondere eine selbstständige Patientenaufklärung durch Studenten wird sehr kritisch beleuchtet. In der Rubrik „Facharztwissen“ wird von den Kollegen Bitter und Guntinas-Lichius aus Jena ein Beitrag zur funktionell-endoskopischen Nasennebenhöhlenchirurgie vorgelegt [13]. Den Abschluss bildet ein Auszug aus der bewährten Operationslehre von Kollege Rettinger zur plastisch-rekonstruktiven Gesichtschirurgie [14], [15].

Ich wünsche Ihnen ein hohes Lesevergnügen und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Andreas Dietz
Schriftleitung LRO