Aktuelle Ernährungsmedizin 2020; 45(04): 269-275
DOI: 10.1055/a-1113-6946
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mikronährstoffdosierungen in Nahrungsergänzungsmitteln im Vergleich zu den Höchstmengenvorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung

Comparison of Micronutrient Concentrations in Supplements and the Maximum Permitted Levels as Suggested by the German Institute for Risk Assessment
Maximilian von Lippe
1  Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Institut für Gesundheitswissenschaften
,
Stephanie Mosler
1  Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Institut für Gesundheitswissenschaften
,
Petra Lührmann
1  Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Institut für Gesundheitswissenschaften
,
Anja Carlsohn
2  HAW Hamburg, Life Sciences
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
18 August 2020 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte im Januar 2018 Höchstmengenvorschläge (HMV) für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Die vorliegende Arbeit untersucht beispielhaft die Einhaltung der HMV in NEM aus dem Einzelhandel.

Material und Methodik In dieser Pilotstudie im Querschnittdesign wurden 106 NEM aus einem Reformhaus, einem Supermarkt und 2 Drogerien aus Schwäbisch Gmünd hinsichtlich ihrer Mikronährstoffdosierungen untersucht. Für die Analysen wurden die Nährstoffangaben auf den Verpackungen der einzelnen Präparate herangezogen, in einer Datenbank erfasst und mit den jeweiligen HMV für Vitamine und Mineralstoffe in NEM verglichen.

Ergebnisse Insgesamt wurden 30 Einzelvitaminpräparate, 11 Einzelmineralstoffpräparate, 44 Multivitaminpräparate, 11 Multimineralpräparate und 10 Multivitamin- und Multimineralstoffpräparate untersucht. Von den 106 untersuchten NEM hielten ca. 48 % die HMV bei allen Nährstoffen ein. Eine Überschreitung der HMV bei mindestens einem Mikronährstoff wiesen 55 Präparate (51,8 %) auf. Die HMV wurden am häufigsten bei Multivitamin- und Multimineralstoffpräparaten (80 % der Präparate) überschritten.

Schlussfolgerung Die Untersuchung zeigt, dass mehr als die Hälfte der untersuchten NEM aus dem stationären Einzelhandel in Schwäbisch Gmünd die HMV des BfR für Vitamine und Mineralstoffe überschreiten. Das ist bedenklich, da mit dem Gebrauch von hoch dosierten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten gesundheitliche Risiken einhergehen können, insbesondere bei hoher habitueller Zufuhr. VerbraucherInnen sollten somit auf die möglichen Risiken, die aus der Einnahme von NEM resultieren können, hingewiesen werden. Verbindliche Höchstmengen sowie EU-weite einheitliche Richtlinien für Mikronährstoff-Höchstmengen in NEM wären möglicherweise sinnvoll.

Abstract

Background In January 2018 the Federal Institute for Risk Assessment (BfR) published proposals for maximum levels (MLP) of vitamins and minerals in dietary supplements (DS). Purpose of this paper was to analyze, for example, whether the dosages in DS from the retail stores comply with MLP.

Material and Methods In a cross-sectional design 106 DS from one health-food shop, one supermarket and two drugstores located in Schwaebisch Gmuend were checked regarding their micronutrient dosages as provided on the packages. After compiling an electronic database the micronutrient dosages were compared with the specific MLP as suggested by the BfR.

Results In total, 30 single vitamin preparations, 11 single mineral preparations, 44 multiple vitamin preparations, 11 multiple mineral preparations and 10 multiple vitamin and multiple mineral preparations were analyzed. Dosages of every 2nd DS (48 %) were within the MLP. In 55 of 106 DS analyzed (51.8 %) at least one micronutrient exceeded the MLP for vitamins and minerals in DS. The MLP was exceeded in 80 % of DS containing multiple vitamins or multiple minerals.

Conclusion The pilot study shows that more than every 2nd DS from retail stores in Schwaebisch Gmuend exceeds the MLP levels for vitamins and minerals of the BfR. This might have adverse health consequences for the consumers, especially for those with an habitually high nutrient intake. There should be mandatory MLP levels for vitamins and minerals in DS at EU level. Consumer should be adequately informed about potential adverse effects of consuming DS.