Gesundheitswesen 2015; 77(07): 475-480
DOI: 10.1055/s-0035-1550027
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Änderungen der Trinkwasserverordnung: Legionellen in Großanlagen – Erfahrungen aus dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main

Amendments to the Drinking Water Ordinance: Legionellae in Hot Water Systems – Data from the Public Health Authority Frankfurt am Main, Germany
T. Westphal
1   Gesundheitsamt Frankfurt am Main
,
K. Voigt
1   Gesundheitsamt Frankfurt am Main
,
U. Heudorf
1   Gesundheitsamt Frankfurt am Main
› Institutsangaben
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. Juli 2015 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Erste und die Zweite Änderungsverordnung zur Trinkwasserverordnung traten in den Jahren 2011 und 2012 in Kraft und brachten für Betreiber von gewerblichen Großanlagen, in der Regel Warmwasseranlagen in größeren Wohngebäuden, und für die Gesundheitsämter erhebliche Zusatzaufgaben mit sich. In dem Beitrag werden die Erfahrungen des Gesundheitsamtes in Frankfurt am Main mit diesen neuen Verordnungen geschildert. Mit der zweiten Änderungsverordnung ([TrinkwV 2001 (2012)]) entfielen einige der Neuerungen der Ersten Änderungsverordnung ([TrinkwV 2001 (2011)]), u. a. die ursprüngliche Anzeigepflicht für Großanlagen, darüber hinaus wurde die jährliche Untersuchungspflicht direkt auf eine Untersuchung alle 3 Jahre gestreckt und es waren nur noch Überschreitungen des technischen Maßnahmenwerts dem Gesundheitsamt mitzuteilen statt zuvor alle Befunde.

Ergebnisse: Auf Grundlage der [TrinkwV 2001 (2011)] war zunächst ein hoher zusätzlicher Personalbedarf für das Gesundheitsamt Frankfurt (13 resp. 21 Stellen) geschätzt worden, nach der [TrinkwV 2001 (2012)] können die Aufgaben nun von weniger als 2 Mitarbeitern erledigt werden. Als die Anzeigepflicht noch galt, wurden dem Amt 4 461 Großanlagen angezeigt, seither wurden ihm weitere 477 bekannt. Von bislang 1 335 vorliegenden Erstuntersuchungen wiesen 794 (60%) eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts auf, in 113 Liegenschaften war bei Werten >10 000/100 ml eine Nutzungseinschränkung erforderlich.

Schlussfolgerungen: Durch den Wegfall der Anzeigepflicht und der Übermittlungspflicht für alle Befunde gestaltet sich die Bearbeitung der gemeldeten Befunde aus Großanlagen schwierig. Eine Evaluation der Verordnung ist sachgerecht nicht möglich, da die Zahl der relevanten Großanlagen nicht bekannt ist und es sich bei einer „Nichtmeldung“ um eine Anlage mit Unterschreitung des technischen Maßnahmenwerts oder um eine nicht untersuchte Anlage handeln kann. Die hohe Zahl der Nutzungseinschränkungen ist ein Hinweis für die Notwendigkeit, Großanlagen zu untersuchen und ggf. zu sanieren.

Abstract

Background: The first and second amendment to the Drinking Water Ordinance came in to force in the years 2011 and 2012 causing additional tasks and responsibilities for operators of commercial large-scale systems, usually hot water systems in large residential buildings, and for the local health authorities. This article describes the experiences of the health authority in Frankfurt/Main with these new regulations. Some of the revisions in the first amendment of the ordinance ([TrinkwV 2001 (2011)]) were omitted in the second revision ([TrinkwV 2001 (2012)]) such as the obligation to notify for large-scale systems. Furthermore, the intervals between the obligatory inspections were extended from 1 to 3 years and merely exceedances of the legal limits were to be notified in contrast to the previous obligation to notify all values.

Results: On the basis of the [TrinkwV 2001 (2011)] a large additional staff requirement had been estimated (13/21 positions). After the [TrinkwV 2001 (2012)] the tasks can be accomplished by less than 2 employees. While the notification obligation was still in force, the health authority received 4 461 notifications of large-scale systems, since then a further 477 have been notified. Of a total of 1 335 initial analyses, 794 (60%) exceeded the technical action value and in 113 properties with values exceeding 10 000/100 ml a usage restriction was necessary.

Conclusions: Due to the suspension of the notification obligation to report any result of the analyses performed the assessment of the reports on large-scale systems has become difficult. An appropriate assessment of the implementation of the regulation is not possible, since the total number of large-scale systems is not known and a failure to report may result from a measured value below the technical action value as well as from a not inspected system. The large number of usage restrictions is an indication for the necessity to inspect and if required to treat and restore the system.